5 Tipps für Individualreise-Neulinge

Du bist bislang – aus welchem Grund auch immer – noch nicht auf eigene Faust gereist? Jetzt möchtest Du es aber mal ausprobieren, weißt aber nicht so genau, wo Du anfangen sollst?

Zwischen der Idee „ich organisiere mir meine Reise selbst“ und der Umsetzung stehst meist mehr als nur der Kauf eines Flugtickets.

In diesem Artikel teile ich fünf grundlegende Tipps für Menschen, die sich an ihre erste eigene Reise heranwagen möchten. Weitere Tipps zur Frage, wie man eine Reise plant, und zum Thema Angst beim Reisen findest Du ebenfalls auf meinem Blog.

So kann es sich am Anfang anfühlen…

1. Nimm Dir nicht zu viel vor

Was willst Du im Urlaub sehen und erleben? Strand? Städte? Kultur? Abenteuer?

Vielleicht lautet Deine Antwort ja: alles!!

Es ist verlockend, sich alles und noch mehr in den Reiseplan zu packen. Aber irgendwann wird es auch überwältigend.

Daher ist mein erster Tipp: Nimm Dir nicht zu viel vor. Fang mit einem entspannten Tempo und moderatem Programm an. Und plan Zeit für bewusste Pausen ein. Wenn es vor Ort super läuft, kannst Du immer noch spontan Aktivitäten einbauen.

2. Gleich eine Weltreise?

Inzwischen liest man ja ständig von Weltreisen. Gefühlt jeder fährt in 12 Monate um die Welt, verbringt sechs Monate in Südamerika, faulenzt drei Monate lang an philippinischen Stränden. Das ist dann schon Reisen 2.0.

Mein zweiter Tipp: Wenn Du noch gar keine Erfahrung in der Organisation und Planung von Reisen hast, fang mit einem Land an, das nicht so weit weg ist und über eine gute (touristische) Infrastruktur verfügt.

Du möchtest auf eigene Faust wandern? Dazu musst Du nicht gleich bis nach Patagonien fahren. Du kannst auch in den Dolomiten oder Spanien anfangen. Du möchtest Asien kennenlernen? Zum Einstieg bietet sich zum Beispiel Thailand an. Da gibt es sehr ausgelatschte Pfade, und auch Regionen, in die sich nicht so viele Touristen verirren. Oder Singapur! Eine moderne Stadt, in der sich viele asiatische Kulturen treffen. Und das Essen ist super.

3. Don’t Trust the Internet

Eine gute Reiseplanung ist wichtig – ich habe einen eigenen Artikel dazu, wie Du in 5 Schritten eine Reise planen kannst. Dazu musst Du wissen, was Dich vor Ort erwartet.

Als schier bodenlose Informationsquelle über Reiseziele drängt sich natürlich das Internet auf. Zu fast jedem Reiseziel gibt es eine Vielzahl von mehr oder minder hilfreichen Blogs und Instagram-Kanäle. Da musst Du dann selber entscheiden, was Dir bei Deiner Reise wichtig ist. Nur weil ein Blog behauptet, die Highlights aufzulisten, die man gesehen haben muss, heißt das ja noch lange nicht, dass diese Highlights auch Deine Highlights sind. Der Veganer, der ins hochgelobte Steakhouse geht, wird auch enttäuscht sein von der Speisekarte.

Daher mein dritter Tipp: Don’t trust the internet. Sieh Dir auch andere Quellen an. Und überleg, was von dem, was Du da siehst, zu Dir passt.

Ein weiterer Effekt gerade von Instagram ist leider, dass manche Reisende solche „10 beste …“-Listen abarbeiten. Dadurch bilden sich an bestimmten Orten mitunter lange Schlangen, weil jede/r das Foto machen will. Stichwort „Insta vs. Reality“. In letzter Zeit habe ich ohnehin zunehmend das Gefühl, dass Fotos Erlebnisse schlagen. In Georgien war ein Guide völlig baff, als ich sagte, ich sei drei Wochen lang im Land. Sehr viele seiner Gäste schienen Armenien, Georgien und vielleicht noch Aserbaidschan in wenigen Tagen „runterzureißen“. Sehr bedauerlich.

Der Vorteil ist natürlich, dass sich in diesen Fällen der „Traffic“ um das eine Highlight konzentriert. Wenn der Möchtegern-Influencer dann zum nächsten Programmpunkt weiterhechelt, hast Du Gelegenheit, Dich in Ruhe etwas weiter umzusehen. So war es an der Georgischen Heeresstraße recht voll (weil Tagesausflug von Tbilisi), während es in Kazbegi und Swanetien deutlich weniger trubelig war.

4. Das liebe Geld

Ganz ohne Geld geht es meistens nicht. „Wie kannst Du Dir das eigentlich leisten?“, wurde ich regelmäßig gefragt, als ich anfing zu reisen. Antwort: Reisen muss nicht teuer sein. Klar sind einige Länder wesentlich teurer als andere, aber vieles hast Du selber in der Hand.

Daher mein vierter Tipp: Lass Dich nicht gleich davon entmutigen, wenn Du nicht wie Dagobert Duck im Geld badest. Such nach günstigen Alternativen – es gibt sie fast immer.

Übernachtung

Auch hier helfen die einschlägigen Buchungsseiten im Internet. Wenn Du nur in Luxushotels übernachtest, zahlst Du natürlich mehr als in einem Gästehaus. Du siehst an den Preisen auch schnell, ob gerade eine große Veranstaltung geplant ist (Konzert, Messe, Fußballspiel etc.), sofern Du so etwas lieber vermeiden möchtest.

Essen & Trinken

Auch Mahlzeiten wirken sich erheblich auf die Gesamtkosten einer Reise aus. In Reiseführern, auf Google Maps und/oder Websites von Restaurants kannst Du Dir einen grundsätzlichen Eindruck vom Preisniveau verschaffen. Wenn dieses so hoch ist, dass es Deine Reisekasse sprengt, kannst Du überlegen, ob es immer ein Restaurant sein muss. Häufig kannst Du Dich auf Märkten oder in Supermärkten gut und natürlich wesentlich günstiger verpflegen. In Island beispielsweise, also in einem Land, wo man für einen Snack so um die 10 € und für ein Hauptgericht im Restaurant ab 30 € bezahlt, habe ich ziemlich viele Instant Noodles und selbstgeschmierte Butterbrote gegessen.

Einen großen Unterschied macht es natürlich auch, ob Du Alkohol trinkst. Eine Freundin von mir fiel fast in Ohnmacht, als sie feststellte, dass das günstigste Bier an der Hotelbar in Helsinki 11 € kosten sollte (0,2 l). Sie hatte ganz spontan keinen Durst mehr.

Ausflüge & Aktivitäten

Bei Ausflügen zahlst Du fast immer mehr, wenn Du die erste Option buchst, die Dein Hotel Dir anbietet. Ich kann mich an nur zwei Fälle erinnern, wo das Hotel günstiger war. Ein Hotel in Usbekistan schlug sogar fast 200 % auf den offiziell festgelegten Preis, den der Guide erhielt.

Je nach Land bietet es sich (schon aus Sicherheitsgründen) trotzdem an, einen Ausflug bei einem offiziellen Veranstalter zu buchen statt bei dem Fahrer, der Dich auf der Straße anspricht. Informier Dich genau, was im Preis inbegriffen ist. Wenn Du einen luxuriösen Bus und ein üppiges Mittagessen haben möchtest, wird das natürlich teurer. Überleg Dir aber auch, ob der Preis realistisch ist. 10 € für eine ganztägige Stadtrundfahrt mit Fahrer, Guide und Mittagessen? Das kann sich nicht rechnen, und Du wirst wahrscheinlich viel Zeit mit „spontanem“ Shopping verbringen.

5. Aufregung, Angst und Bedenken

Wenn Dir die Aussicht, demnächst auf eigene Faust unterwegs zu sein, jetzt Schmetterlinge im Bauch macht, dann ist das völlig in Ordnung. Ich bin seit über 20 Jahren auf eigene Faust unterwegs und immer noch jedes Mal schreckliches Reisefieber.

Individuelles Reisen ist durchaus ein skill, den man erstmal erlernen muss. Aber man kann ihn erlernen, das ist kein Hexenwerk. Wenn Du Dir unsicher bist, fahr erstmal ein paar Tage lang selbstorganisiert in Deutschland (oder wo auch immer Du lebst) weg. Such Dir zwei oder drei Orte, die Du schon lange mal besuchen wolltest, wo Du aber niemanden kennst, und bastele Dir eine kleine Reise zusammen. So kannst Du Dich langsam an die Sache herantasten.

Mein fünfter Tipp: Bei größeren Befürchtungen und Bedenken versuche zu ergründen, woher sie kommen. Liegt es nur daran, dass Dir gesagt wird oder wurde, Du kannst das nicht (obwohl Du es noch nie probiert hast)?

Wenn Du wirklich Angst hast, ignoriere diese nicht. Angst ist ein wichtiges Gefühl, das Dich zu schützen versucht. Ist Deine Angst rational begründet, z. B. weil in Deinem Reiseland gerade Krieg oder Unruhen ausgebrochen sind? Dann lass die Reise sausen.

Sofern Deine Angst genereller ist und Dich auch in Deinem Alltag beeinträchtigt, sprich mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt darüber. Sie können Dich am besten beraten. Wenn sie Dich nicht ernst nehmen, such Dir jemand anderen oder ruf bei Deiner Krankenkasse an.

Und wie plane ich jetzt eine Reise?

Lies gerne hier weiter: Wie man eine Reise plant – in 5 Schritten.

Bon voyage!

… und so fühlt es sich an, wenn die Planung steht!

3 Kommentare

  1. Schöner Artikel, in dem ich mich auch wiederfinde. Ich reise zwar nicht alleine, aber grundsätzlich NUR selbstorganisiert – und nach Möglichkeit, ohne in Hotels übernachten zu müssen. Auf Alkohol kann ich auch verzichten – vor allem in den nordeuropäischen Ländern;-)

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