Während ich meine zweite Zugreise durch die Schweiz plante, stellte sich die Frage, was ich denn eigentlich machen sollte, wenn ich dort fertig bin. Auf gleichem Wege zurück nach München? Das schien irgendwie langweilig und langwierig. Und teuer.
Aber die Schweiz hat auch noch ein südliches Nachbarland. Italien! In Mailand, der nächstgelegenen Großstadt, war ich noch nie. Schnell entwickelte ich einen Reiseplan, der noch weitere Ziele in der Nähe (Bergamo, Genua, Parma, Bologna) einschloss. Dann wurde mir klar, dass ich das alles in drei Tagen erledigen müsste. Ungünstig. Verona allerdings lag auf dem Weg zum Brenner. Andiamo.
Mailand
Von Mailand hatte ich gute Dinge gehört, aber Liebe auf den ersten Blick war das bei mir leider nicht. Vielleicht hätte ich mehr Zeit gebraucht. Im Endeffekt hatte ich anderthalb Tage in der Standt, plus einen Tage in Bergamo (das lohnt sich auf jeden Fall!).
Die Anreise aus Bellinzona in der Schweiz war unerwartet busy. Der Zug war zum Bersten voll. Ich stieg in Lugano zu und bekam gerade noch einen Sitzplatz. Bis Mailand (nur etwa 80 Minuten Fahrtzeit) konnte man kaum noch atmen vor lauter Menschen.

Auf der Fahrt kommt man auch am Comer See vorbei. Sehr schön. George Clooney war entlang der Bahnstrecke leider nicht zu entdecken.
Kaum in Italien angekommen, sinkt das Preisniveau natürlich um etwa 80 %. 😵💫 Schnell den Rucksack in die Gepäckaufbewahrung gegeben und in die Stadt losgerannt.
Im Vorfeld hatte ich stark mit mir gehadert, was ich denn nun ansehen und was auslassen sollte. FOMO in Reinform. Brera wollte ich auf jeden Fall sehen und schließlich irgendwie am Dom ankommen.
Mit einer dieser schnuckeligen kleinen Straßenbahnen fuhr ich also in die grobe Richtung, inhalierte eine Portion Nudeln und ging dann zu Fuß weiter.

Während dieser ersten ein, zwei Stunden wartete ich darauf, dass mein Herz einen Hüpfer tun oder irgendwas in mir „hach, schön“ murmeln würde … aber das passierte nicht. Es war nicht schrecklich in Mailand, aber der Funke sprang nicht über.
Schließlich, ein erstes Eis hatte ich schon intus, kam ich am Dom an.

Bereits im Vorfeld hatte ich mir eine Audiotour gekauft, um mich in Ruhe mit der Gegend vertraut zu machen. Was mir entgangen war: Diese Audiotour hatte so um die 50 (!!!) Stationen. Dauer 2,5 Stunden. Ich wäre schon bei Station 3 fast eingeschlafen. Denn der Autor hatte offensichtlich sein italienisches Skript durch KI übersetzen lassen und las es ab. Mit einer Aussprache, die verriet, dass er sich mit Englisch nicht wohlfühlt. Mit Formulierungen, die so gestelzt wirkten, dass es wirklich kaum auszuhalten war.

Ich habe es nur ungefähr 20 Minuten durchgehalten. Dann bin ich lieber in den Palazzo Reale zur Anselm-Kiefer-Ausstellung gegangen. Das war lohnender.

Überhaupt, die Museen. Für die hätte ich mehr Zeit gebraucht. Vielleicht wäre es dann anders gelaufen mit Milano und mir.
Schließlich hatte ich genug, holte mir noch ein zweites Eis und fuhr zu meiner Unterkunft – aus Kostengründen ein ganzes Stück entfernt, eine nicht besonders hübsche, aber interessantere Gegend. Nach einer feinen Pizza machte ich mich daran, die riesige Pfütze in meinem Badezimmer zu beseitigen.
Nach einem wunderbaren Tag in Bergamo stand vor meiner Weiterreise noch die Besichtigung des Mailänder Doms an. Den wollte ich mir wenigstens geben, wenn es schon für Da Vincis Letztes Abendmahl nicht reichte.
Ich war spät dran gewesen mit der Buchung, sodass für meine Führung mit Dachbesichtigung nur eine relativ frühe Startzeit möglich war. Kein Beinbruch, da meine Unterkunft (nicht nur wegen der Pfütze im Bad) eine mittlere Katastrophe war. Die Abreise fiel mir leicht.
Früh am Morgen ist auch die beste Zeit für Fotos, weil der Platz vor dem Dom noch nicht so voll ist.

Die Besichtigung selber – nun gut, interessant war es schon. Die Guidin fragte uns allerdings mehrfach, wie uns denn „our beautiful cathedral“ gefalle. Zum Glück hat sie dabei nie mich angesehen. 😬 Denn ich habe schon schönere Kirchen gesehen.
Die archäologische Stätte im Untergrund war spannend, und der Besuch auf dem Dach riss es dann allgemein etwas raus.

Aber wahrscheinlich wäre ich in einem Museum besser aufgehoben gewesen. Und dann war es auch schon wieder Zeit, in die U-Bahn zu springen für die Weiterreise nach …
Verona
Mein allererster Besuch in Verona liegt schon um die 25 Jahre zurück. Ich war damals auf einer Tagesfahrt von München zu den Opernfestspielen. Mein erstes Mal Carmen. Es war brüllaffenheiß. Ich habe literweise Wasser in mich hineingeschüttet und direkt wieder ausgeschwitzt.
Diesmal war die Temperatur angenehmer. Dafür gestaltete sich die Anreise schwieriger. Noch in der Schweiz erhielt ich eine E-Mail von Trenitalia (natürlich nur auf Italienisch), der zufolge mein gebuchter Zug aufgrund eines landesweiten Streiks ausfiel. Also buchte ich schnell auf Flixbus um.
Der Zug fuhr dann offenbar doch. Woher ich das hätte wissen sollen, wollte Trenitalia mir nicht verraten. Aber meinen Erstattungsantrag ablehnen, das konnten sie. Grazie.
Immerhin war der Bus ziemlich pünktlich, und Verona empfing mich überaus freundlich. Und anders als in Mailand fühlte ich mich gleich wohl und willkommen. Auch meine Unterkunft, direkt um die Ecke von der Arena, war 1000x besser.

Der Plan für Verona lautete: Mal gucken, was kommt. Auf jeden Fall ein Eis. Und vielleicht ein Museum oder zwei. Im Wesentlichen wollte ich mich also treiben lassen.
Damit war es dann gleich mal vorbei, als ich das Plakat für die Gala von Roberto Bolle sah. So schnell habe ich mir noch nie Eintrittskarten organisiert. Und deshalb war ich gerade mal zwei Monate später wieder in Italien unterwegs, diesmal in Meran und Verona.

Aber danach konnte der entspannte Teil des Aufenthalts beginnen.
I mean …

Am ersten Abend bin ich nur herumgelaufen. Es war so schön und entspannt. Und wenn es doch mal zu voll wird – einfach in die Seitenstraße abbiegen. Und trotzdem kommt man ständig an Sehenswürdigkeiten vorbei. Die Porta Borsari ist noch aus dem 1. Jahrhundert. Sie war mal der Eingang zur Stadt. Sie besichtigte ich öfter …

Ich habe noch kurz überlegt, ob ich den Berg hinaufkeuche, um den Sonnenuntergang anzusehen, aber – nein.

Am nächsten Morgen hatte ich so was wie einen Plan. Das Castelvecchio war nicht inbegriffen. Ich habe kurz darüber nachgedacht, aber es war einfach zu sonnig. 😂 Die schöne Brücke habe ich mir natürlich näher angesehen.

Aber eigentlich wollte ich zum Archäologischen Museum. Das ist auf der anderen Seite der Ponte Pietra.

Da steht dann noch ein weiteres römisches Theater, viel kleiner als die Arena. Auch das wird heute noch für Veranstaltungen genutzt. Und darüber erhebt sich im ehemaligen Kloster des Heiligen Hieronymus der Jesuaten das Archäologische Museum. Auf halbem Wege nach oben habe ich mich doch gefragt, ob das so eine gute Idee ist (die Kasse ist natürlich unten an der Straße, bevor einem klar wird, worauf man sich da einlässt 😂) – aber oben wartete eine interessante Ausstellung mit Blicken auf die Stadt aus den alten Mönchszellen.


Dann zurück in die Innenstadt. So richtig schön ist natürlich die Piazza delle Erbe.

Gleich um die Ecke die Scaliger-Gräber. Die Familie stellte von 1260 bis 1387 die Stadtherren von Verona. Neben der Kirche Santa Maria Antica haben sie ihren kleinen Privatfriedhof. Nicht schlecht. Ich habe erst gar nicht kapiert, was das sein soll.

Am letzten Tag musste es nochmal ein Museum sein. Der Palazzo Maffei stand ganz oben auf meiner Liste und hat den Besuch absolut gelohnt.
Das Museum ist der Hammer. Ein toller Palazzo und tolle Kunst, die sehr gut arrangiert ist. Hier steht übrigens auch der Stuhl aus Swarowski-Kristallen, den ein amerikanischer Tourist beim misslungenen Versuch, ein lustiges Selfie zu machen, zerstört hat …

Vom Museum aus hat man auch den besten Blick auf die Piaaza delle Erbe, samt venezianischem Löwen.

Und dann war es auch schon Zeit, mit viel italienischem Käse im Gepäck die Heimreise anzutreten.