13 von 13 – September 2026: Neuschwanstein

Wie im gestrigen 12 von 12 angekündigt, gibt es als Zuckerl noch ein 13 von 13: Denn ich habe heute eine Tour nach Neuschwanstein. Das wird also ein Day in the Life of a Tour Guide.

Für meinen Geschmack viel zu früh geht es los. Die Busse fahren spätestens um 8:30 Uhr am Stachus ab. Wir Guides müssen zeitig da sein. So früh morgens fährt die U-Bahn am Sonntag nur im 20-Minuten-Takt. Deshalb gehe ich um 7 Uhr aus dem Haus. Mehr als 12 Stunden lang bin ich nun unterwegs.

Meine Tour ist die Königsschlösser-Classic-Tour. Wir fahren zunächst zum Schloss Linderhof, welches natürlich besichtigt werden kann. Anschließend geht es über Oberammergau nach Hohenschwangau. Hier gibt es einen längeren Aufenthalt für Mittagessen, Marienbrücke und natürlich Schloss Neuschwanstein.

Als ich um 7:30 Uhr am Stachus ankomme, ist da noch niemand.

Nur der VIP-Bus wartet schon auf Guide und Gäste.

Zehn Minuten später stehen alle Busse bereit. Ich fahre heute mit Waldemar.

Der Frühdienst ist auch schon da und verteilt die Scanner. Waldemar verlädt indes die Getränke. Denn im Bus gibt es immer eine cash bar. Die ganzen Sachen, die ich für die Tour brauche, also die Bordkarten, die Ortspläne, den Abrechnungszettel, hole ich mir aus dem anderen Bus. Ebenso das Kreditkartenterminal. Wie soll ich sonst die Eintrittskarten für die Schlösser verkaufen?

Bordkarten und Scanner sind vorhanden, los geht’s mit dem Check-in.

Heute wird die Tour voll: 129 Gäste in zwei Bussen. In meinem Bus ist bei Abfahrt nur ein einziger Platz frei. Das macht mir das Zählen natürlich leicht.

Um 8:15 Uhr rollen wir auf die Sonnenstraße.

Ich erzähle zur Einstimmung ein bisschen was vom Oktoberfest (startet schließlich nächste Woche) und von München. Auf der Autobahn gehe ich dann durch den Bus und notiere, wie viele Gäste mit der Tour auch schon die Eintrittskarten für die Schlösser gekauft haben. Wer noch keine hat, kann sie bei mir kaufen.

Zehn Gäste möchten die Schlösser nicht von innen besichtigen. Von ihnen sammele ich die Bordkarten wieder ein. Sonst habe ich keine Ahnung, wer eine Eintrittskarte bekommt und wer nicht.

Wenn ich durch den Bus gegangen bin, rufe ich in Linderhof an und gebe durch, wie viele Tickets wir brauchen. Heute bin ich so schnell mit dem Zählen und Abkassieren fertig, dass ich noch gar nicht anrufen kann: Die Kasse öffnet erst um 9 Uhr. Also erzähle ich ein bisschen was über die Alpen. Dank der Arbeit beim DAV kenne ich mich da inzwischen ganz gut aus.

Apropos Alpen: bester Blick auf der Fahrt.

Es ist zwar letztes Ferienwochenende in Bayern, die Autobahn ist aber wie leergefegt. Wir kommen in Rekordgeschwindigkeit in Linderhof an. Unsere Führung ist 20 Minuten später, die Gäste müssen also nicht zum Schloss rennen.

Wichtigeste Information: die Abfahrtszeit.

Schon mehrere Minuten vor dem Einlass stehen meine Gäste brav in einer Schlange vor ihrem Drehkreuz. Ich bin tief beeindruckt. Normalerweise muss ich mindestens fünfmal rufen, bis alle da sind. Schließlich verschwinden alle im Schloss.

An dieser Stelle hat der Guide Pause.

Diese Tour ist immer an zwei Stellen stressig: erstens zwischen Kasse und Kartenausgabe. Habe ich wirklich genug Tickets für alle? Hat sich jemand ein Ticket geschnappt, der dafür nicht bezahlt hat? (Und finde ich die Person schnell genug, damit nicht jemand anderes dafür leer ausgeht?) Und zweitens bis zu dem Moment, wo alle durchs Drehkreuz gegangen sind. Sind auch wirklich alle im Schloss? Oder kommt gleich noch jemand um die Ecke geschlendert, der das mit der exakten Eintrittszeit nicht kapiert hat?

Wenn das alles vorbei ist, hole ich ein paarmal tief Luft.

Und schaue die hübschen Blümchen im Schlosspark an.

Zweifelsohne habe ich heute die bravste Gruppe des Jahres erwischt. Um 10:55 Uhr sind alle wieder am Bus, um 11:00 Uhr verlassen wir den Parkplatz. 75 Minuten später kommen wir in Hohenschwangau an. Absolut freie Fahrt, nicht ein einziger Traktor, der uns aufgehalten hätte.

Schloss, Pferdekutsche, Touristen: alle da.

Ich verteile wieder die Eintrittskarten und beantworte letzte Fragen. Wie kommen wir jetzt genau zum Schloss? Wann fahren wir wieder ab und von wo? Aber lieber erkläre ich das dreimal, als dass irgendjemand den Weg nicht findet.

Danach habe ich Pause. Mittagessen! Nein, Guides essen leider nicht gratis. Es gibt aber ein vergünstigtes Personalessen in mehreren Lokalen im Ort.

Apfelschorle im Preis inbegriffen.

Das Essen kam schnell, es ist im Ort und auch im Restaurant ruhig. Ich nutze die Zeit für einen Spaziergang am See. Das Wasser ist smaragdgrün, wirklich sensationell. Manche unserer Fahrer gehen hier immer schwimmen.

Leider dauert die Pause nicht den Rest des Nachmittags. Denn ich muss hoch zum Schloss. Sicherstellen, dass alle reinkommen. Man glaubt ja nicht, wie manche Leute durch die Gegend schusseln. Ich erzähle den Gästen mehrfach, dass sie bis in den Innenhof des Schlosses gehen müssen, weil dort der Zugang zur Führung ist. Trotzdem gibt es jedesmal mindestens eine Person, die meint, der Guide wird ihn oder sie persönlich irgendwo vor dem Schloss abholen.

Meistens laufe ich den Berg hoch, das dauert etwa 25 Minuten. Heute fühle ich mich ein bisschen schlapp. Also nehme ich den Bus zur Brücke und laufe von dort. Es ist ziemlich ruhig an der Bushaltestelle, ich komme beim ersten Bus mit, ohne mich vordrängeln zu müssen.

Hab sogar einen Platz auf der Bank an der Bushaltestelle ergattert.

Am Schloss angekommen, stelle ich mit großer Freude fest, dass fast alle Gäste schon da sind. Und die übrigen kommen wenig später dazu. Selbst die beiden am wenigstens mobilen Teilnehmer, die gerade noch zum Aussichtspunkt Jugend gegangen sind (mir schwant schon Schlimmstes), sind rechtzeitig da.

Weil wir nur 45 Tickets haben, sind alle Gäste in der gleichen Führung. Auch das macht mir das Leben deutlich leichter. Alle meistern das Drehkreuz und verschwinden im Schloss. Ich gehe zurück in den Ort. (Eine Teilnehmerin – deutlich jünger als ich – erzählt mir nachher, sie sei mit der Kutsche runtergefahren, sie habe einfach nicht mehr laufen können.)

Denn ich habe jetzt Pause. Kurz zumindest.

Gute 20 Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit gehe ich zurück zum Bus. Kurz darauf stehen schon die ersten Gäste da. Wir parken heute nicht auf dem Busparkplatz, denn der ist voll. Stattdessen stehen wir vor dem Museum der bayerischen Könige (sehr interessant übrigens, wenn auch von den Wittelsbachern über die Wittelsbacher). Das macht es den Gästen leicht, den Bus zu finden.

Waldemar hat die Fußmatte ausgelegt, damit der Bus weniger schmutzig ist.

Schließlich fahren wir zwei Minuten früher als geplant ab. Waldemar und ich sind beide baff. Das kommt nur sehr selten vor. Beim Mittagessen haben wir uns noch darüber unterhalten, wie man die Gäste am besten zur Pünktlichkeit anhalten kann. Durchsagen, dass der Letzte am Mikrofon ein Lied singen muss? Sanft mitteilen, dass man das Lied bei mehr als fünf Minuten Verspätung an dem Ort singt, wo gerade noch der Bus stand? Eine Kollegin erklärt immer mit ruhiger Stimme, aber sehr detailliert, wann von Füssen aus die Züge nach München abfahren.

Die Fahrt läuft wie am Schnürchen. Kaum Rückreiseverkehr. Gegen halb sieben sind wir wieder am Ausgangsort. Wir bekommen viel Applaus, aber leider nicht so viel Trinkgeld. Es regnet. Ich gehe nach Hause.

Und wenn Du jetzt auch mal nach Neuschwanstein möchtest, findest Du auf meinem Blog detaillierte Infos – aktuell leider nur auf Englisch.

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