Wie organisiere ich einen Road Trip in Island?

Island liegt so nah und ist doch eine ganz andere Welt. Es lohnt sich, etwas mehr Zeit einzuplanen. Zwar sieht man schon in der unmittelbaren Umgebung Reykjavíks viel, aber es gibt auch im Rest der Insel einfach unglaublich viel zu entdecken. Ich bin froh, dass ich drei Wochen zur Verfügung hatte. In dieser Zeit habe ich insgesamt etwa 3.300 km hinter mich gebracht. Dabei war ich zunächst im Westen und Norden Islands, später im Süden, Golden Circle und Reykjavík.

Hier findest Du Infos, wie ich meinen Island Road Trip organisiert habe, sowie allgemeine Hinweise zur Reiseplanung, Sehenswürdigkeiten, Kosten, Unterkünften und Essen.

Die Route für den Road Trip planen

Meine Vorgehensweise zur Routenplanung war:

  1. Viel lesen und entscheiden, was ich sehen will,
  2. Zur Visualisierung jede Menge Pins bei Google Maps setzen,
  3. Eine Krise kriegen, weil ich mindestens drei Monate brauche, um das alles „abzuarbeiten“,
  4. Diverse Pins wieder löschen,
  5. Basierend auf den verbleibenden Pins eine sinnvolle Reiseroute entwerfen (in Excel o. ä.) und entscheiden, wie viel Zeit ich für das Programm brauche,
  6. Zufälliges Datum für die Anreise auswählen, Reiseplan für die Route durchdatieren und auf Buchungsplattformen nachsehen, ob für die jeweiligen Daten noch bezahlbare Unterkünfte verfügbar sind,
  7. Buchen.
„Meinst Du, ich übertreibe mit der Planung?“ habe ich damals eine Freundin gefragt.

Mir kam Corona zugute; die Besucherzahlen waren noch recht niedrig. Deshalb konnte ich die ganze Reise mit etwa acht Wochen Vorlauf planen. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass das heute wieder klappen würde.

Wohin in Island und wie lange?

Das kommt ganz darauf an, wie viel Zeit Du hast. Ich hatte auch mit drei Wochen ein ziemlich dicht getaktetes Programm. Natürlich habe ich bei weitem nicht alles gesehen, was die Insel zu bieten hat.

Sehr gute Infos und auch beispielhafte Reisepläne gibt es bei Earth Trekkers (englisch). Diese setzen allerdings mitunter ein ganz ordentliches Reisetempo voraus. Auch der Stefan Loose Reiseführer war hilfreich.

Die Ringstraße

Island sieht ja so klein aus auf der Landkarte, aber die Ringstraße ist dann doch 1.322 km lang. Das sind nicht unbedingt 1.322 km Autobahn. Über weite Strecken hinweg entspricht sie mehr einer engen Landstraße. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei maximal 90 km/h. Das schnurrt man also nicht mal schnell in ein paar Tagen ab.

Die meisten Leute, die ich getroffen habe, fuhren die Ringstraße in 10-14 Tagen. Meine persönliche Empfehlung wäre: Nimm Dir mindestens zwei Wochen. Dann musst Du Dich nicht so hetzen, kannst in Ruhe die Sehenswürdigkeiten anschauen und auch mal einen ungeplanten Stopp einlegen.

Es gibt auch Leute, die die Ringstraße in acht Tagen abfahren, aber dann sitzt Du quasi nur im Auto. Ich halte das für viel zu anstrengend, außerdem siehst Du nichts wirklich.

Der Golden Circle

Nahe an Reykjavík gelegen ist der Golden Circle eine der am häufigsten besuchten Regionen Islands. Das ist nicht näher verwunderlich, denn

  1. Viele Besucher haben nur wenig Zeit,
  2. Die Gegend ist leicht erreichbar,
  3. Es gibt Wasserfälle, Vulkankrater, ein Hochtemperaturgebiet, eine Kontinentalspalte und und und,
  4. Wenn man nur oberflächlich im Internet recherchiert, möchte man, Marketing sei Dank, meinen, das Dreigestirn Reykjavík – Blaue Lagune – Golden Circle ist so ziemlich alles, was das Land zu bieten hat…

Wenn Du nur wenig Zeit hast (oder einfach nur ein paar Fotos für Insta willst), sieh Dir die Gegend an, keine Frage. Es gibt jede Menge Tagestouren.

Wenn Du die Ringstraße fährst und dabei viele Stopps einlegst, kannst Du den Golden Circle aus meiner Sicht schnell abhandeln. Da ist es zwar schön, aber Du siehst so gut wie nichts, was Du nicht auch woanders siehst. Vor allem zum Gullfoss und Geysir war die Fahrt wieder ziemlich lang. Thingvellir ist ein anderes Thema; das lohnt sich durchaus, finde ich, und ist besser erreichbar.

Das Hochland

Im Hochland war ich leider, leider nur einen Tag lang. Das ist sehr bedauerlich, denn dort gibt es sehr viel, was mich brennend interessiert hätte. Problem: Die dortigen Straßen sind F-Roads, die nur mit Geländewagen befahren werden dürfen. Ich hatte einen kleinen Kia und hätte auch keine Ahnung gehabt, wie man durch einen Fluss fährt. Für Leute wie mich bietet Reykjavík Excursions Tagesfahrten mit dem Highland Bus an. Laut Loose-Reiseführer gibt es noch andere Anbieter, die sich damals leider offenbar alle noch in der Corona-Pause befanden.

Was kann ich ansehen an/ in…

… einem (langen) Wochenende? Am besten bleibst Du in Reykjavík und machst vielleicht noch einen Tagesausflug zum Golden Circle. Dort siehst Du mit Wasserfall, Geysir und unwirklicher Landschaft drei der Besonderheiten Islands.

einer Woche? In diesem Fall würde ich Reykjavík + Snaefellsnes + evtl. Golden Circle oder einen Tagesausflug ins Hochland vorschlagen.

zehn Tagen? Jetzt kannst Du noch ein paar Tage im Süden hinzufügen.

zwei Wochen oder mehr? Das ist genug Zeit, um die komplette Ringstraße (1.322 km) abzufahren und dabei mehr oder weniger häufig auch etwas abgelegenere Ziele anzusteuern, ohne Dich zu stressen.

Sehenswürdigkeiten

Natürlich fährt man nach Island, um die Natur zu sehen. Wer sich dafür nicht interessiert oder mit Lava und den daraus entstandenen Formationen nichts anfangen kann, verschwendet auf der Insel seine Zeit.

Viele Sehenswürdigkeiten liegen nah an der Ringstraße; man fährt direkt auf einen Parkplatz und muss dann noch ein paar Meter gehen. Man kann also viel mit relativ geringem körperlichen und zeitlichen Aufwand sehen.

Andere liegen etwas versteckter. Hier gibt es dann in der Regel ebenfalls einen (großzügig bemessenen) Parkplatz, aber man muss ein Stück wandern. Am Ende des Weges angekommen, gibt es außer Gucken und Fotografieren meist nichts zu tun. Natürlich ist der Weg ebenfalls sehr schön und führt durch beeindruckende Landschaften.

Es heißt ja auch immer wieder, die Isländer würden bestimmte Orte besonders hypen, damit alle Touristen dorthin fahren. Die wirklich schönen Orte behalten sie dann für sich.

Kosten

Island ist teuer.

Mein Mietwagen, günstigste Kategorie, kostete mich 1.500 € für drei Wochen (plus 3.000 € Kaution!!!). Immerhin war er ganz neu und hatte erst 5.000 km auf dem Buckel. Das war nicht der niedrigste Preis, den ich gefunden habe; der lag bei rund 1.000 €. Das wäre bei einem Vermieter gewesen, der nur in Reykjavik eine Niederlassung hatte. Mir war das etwas zu unsicher – was ist, wenn ich am anderen Ende der Insel eine Autopanne habe, und der Vermieter zwei Tage braucht, um mir ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung zu stellen?

Beim Benzin lohnte es sich, aufmerksam zu sein. Dass die Tankstelle in der Nebenstraße günstiger ist als an der Hauptstraße, überrascht nicht. In einem Ort aber riefen zwei Tankstellen, die einander direkt gegenüber an der Hauptstraße lagen, komplett unterschiedliche Preise auf – etwa 10 Cent Unterschied pro Liter. Bezahlung übrigens immer per Kreditkarte im Vorfeld.

Die günstigste Art der Übernachtung ist auf dem Campingplatz. Es wurden auch Autos zur Miete angeboten (von Privatleuten), die so umgebaut waren, dass man darin schlafen konnte, wenn man nicht zelten wollte. Dann gibt es natürlich Hostels mit Mehrbettzimmern, Gästehäuser und Hotels unterschiedlichster Preisklassen. Allerdings kann auch eine einfache Ausstattung teuer sein. In Island kann man ganz locker mehrere hundert Euro pro Übernachtung ausgeben. Daher lohnt es sich, früh zu buchen.

Essen war atemberaubend teuer. Kaffee und Kuchen 10 €, Pizza über 20 €, Hauptgericht im (ganz normalen) Restaurant ab 30 € aufwärts. Da bleibt dann nur der Weg in den Supermarkt. Viele Gästehäuser haben eine Küche.

Erstaunlich viele Aktivitäten kosteten so um die 70 € pro Person: whale watching, Ausritt, Kanufahrt. Das hat sich in der letzten Zeit sicher noch mal geändert.

Sehenswürdigkeiten wie Wasserfälle etc. befinden sich meist auf öffentlichem Land und sind kostenlos zugänglich. Dafür ist das Parken oft kostenpflichtig.

Kleidung

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung… Den Spruch hasse ich ja. Auch mit grundsätzlich passender Kleidung kannst Du in Island leicht an Deine Grenzen kommen.

Es ist tatsächlich sinnvoll, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Die Temperaturen schwankten während meiner Reise (im Juli/ August) zwischen knapp über dem Gefrierpunkt bis etwa 20 Grad. Es bietet sich das Zwiebelprinzip an. Ich hatte meist einen Wollpullover an, darüber eine leichte Daunenjacke und ggf. noch eine Regenjacke. In der Regel war das ausreichend. Die Daunenjacke hat mir sehr gute Dienste erwiesen. Denn selbst wenn es nicht so kalt war, war es mitunter sehr windig. Eine Mütze und Handschuhe schaden also im Zweifel auch nicht (insbesondere in Höhlen, auf dem Gletscher etc.). Ein Schirm hingegen ist oft nicht einsetzbar.

Ich war meistens mit Wanderstiefeln unterwegs. Die waren angesichts des Terrains sehr hilfreich.

Island ist nun weiß Gott keine Destination für einen Strandurlaub. Wenn Du ein Thermalbad (oder mehrere :-)) besuchen möchtest oder Deine Unterkünfte einen hot tub haben, brauchst Du natürlich trotzdem Badebekleidung. Bevor Du ins Wasser gehst, musst Du duschen – nackt, wie die Mitarbeiter in den Bädern einem leicht sadistisch grinsend mitteilen. Ich schätze, das bringt gerade Gäste aus Nordamerika immer ins Schwitzen.

Essen

Wer Fisch und Lamm mag, ist in Island klar im Vorteil. Von beidem gibt es reichlich, gerne serviert mit Pommes Frites. Ebenso Burger, Pizza in unterschiedlicher Güte und ähnliches, was bei uns auch gerne aufgetischt wird.

Die Isländer haben auch noch diverse, äh, Spezialitäten wie Gammelhai, gebratene Schafshoden etc., mit denen BesucherInnen nicht unbedingt in Berührung kommen. Wal und Papageitaucher werden leider auch öfter mal serviert.

Vegetarisch geht, ist aber auf die Dauer etwas eintönig. Naja, für eine Gourmetreise würde ich vielleicht ohnehin nicht Island wählen. In Reykjavik gibt es natürlich einige Restaurants, in denen ambitionierter gekocht wird. Ich hatte zum Beispiel einen hervorragenden gerösteten Blumenkohl in einem Restaurant in der Hlemmur Markthalle (bezahlbar, weil weniger formell).

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