Oder zumindest: Wie ich eine Reise plane. Ich bin seit über 20 Jahren in der Welt unterwegs und habe inzwischen jeden Kontinent außer Südamerika und der Antarktis besucht. Dabei habe ich eine gewisse „Planungsroutine“ entwickelt. Hier zeige ich Dir, wie auch Du in fünf Schritten Deine Reise planen kannst.
Erster Schritt: Rahmenbedingungen klären
Gute Reiseplanung ist wichtig. Gleichzeitig gibt es aus meiner Sicht kein Patentrezept dafür, wie man „richtig“ eine Reise plant. Und auch nicht dafür, wie viel Planung vor einer Reise wichtig ist. Denn jede*r hat andere Vorstellungen davon, was eine gute Reise ausmacht. Im Endeffekt musst Du ein bisschen herumprobieren, bis Dir klar wird, was Dir taugt und was nicht.
Daher geht es in diesem ersten Schritt im Wesentlichen um Fragen wie:
- Wie viel Zeit hast Du?
- Wie viel Geld kannst Du ausgeben?
- Was möchtest Du auf Deiner Reise erleben (und was nicht)?
- Wie viel körperliche Anstrengung möchtest Du auf Dich nehmen (oder eben nicht)?
- Welche Kompromisse bist Du bereit einzugehen?
Wenn Dir diese Faktoren klar sind, wird der nächste Schritt leichter. Denn nicht jedes Reiseziel passt zu Deinen Rahmenbedingungen.
Zweiter Schritt: Reiseziel finden
Hier sprechen wir von der grundsätzlichen Frage: Wohin könnte ich eigentlich reisen? Und welche Ziele scheiden (momentan zumindest) aus?
Das klingt vielleicht sehr negativ. Aber es trägt zu psychologisch zufriedenstellenderen Entscheidungen bei, wenn Du Dich fragst „welche Option scheidet aus?“ statt zu überlegen „welche Option ist die beste?“ Denn dann hast Du Dich bewusst gegen A entschieden.
Du träumst schon lange von Neuseeland, hast aber nur eine Woche Zeit? Dann wird das eher nichts.
(Ich weiß, auf Social Media gibt es Leute, die Content über Tagesausflüge auf der Langstrecke machen – z. B. von New York nach München fliegen, den Tag dort verbringen und wieder nach New York fliegen. Aber das lassen wir bitte. Mal ganz abgesehen von den völlig unverantwortlichen Emissionen ist eine solche Reise viel zu anstrengend. Und so richtig ankommen und etwas sehen kannst Du auch nicht. Das taugt wirklich nur für Social Media.)
Du kannst nur ein paar hundert Euro ausgeben? Dann sind der Skiurlaub in der Schweiz oder Polarlichtergucken in Norwegen raus.
Du erträgst keine schwüle Hitze? Dann fährst Du besser nicht nach Thailand.
Du willst Dich nicht stundenlang in einem Auto durchschütteln lassen? Dann schau Dir Löwen und Giraffen lieber im Zoo statt auf Safari an.
Ich unterstelle Dir jetzt mal, dass Du nicht nur wegen Social Media reisen willst. Dann ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, ein für Dich passendes Reiseziel auszuwählen. Wenn es Dir vor Ort nicht taugt, kannst Du die Reise auch gleich ganz sein lassen.

Bevor Du tiefer in die Planung einsteigst, mach Dich kurz über die aktuelle Lage vor Ort schlau. Gibt es Reisewarnungen? Lassen die Zustände im Land überhaupt eine Reise zu – Stichwort Unruhen in Nepal oder Überschwemmungen in Sri Lanka? Die Länderinformationen des Auswärtigen Amts sind da eine gute Anlaufstelle. Beachte auch die Einreisebestimmungen! Vielleicht brauchst Du ein Visum, und vielleicht musst Du es im Vorfeld beantragen.
Dritter Schritt: Reiseziel recherchieren
Wenn Du ein Ziel identifiziert hast, geht die detaillierte Reiseplanung los. Was willst und kannst Du da eigentlich machen und/oder ansehen? Wie viele verschiedene Orte möchtest Du besuchen? Und wie kommst Du von A nach B?
Für die Planung kannst Du in Reiseführern blättern, im Internet recherchieren oder Freunde fragen, die dort schon mal waren. Ich schaue mir auch gerne Programme von Reiseveranstaltern an. So bekommst Du einen guten Überblick über touristisch relevante Orte und wie viel Programm man überhaupt in welcher Zeit absolvieren kann.
Buchungsportale wie GetYourGuide oder TripAdvisor können interessant sein, um Ausflugsmöglichkeiten zu erkunden. Allerdings haben viele Anbieter auf der eigenen Website bessere Konditionen. Denn die Plattformen nehmen so um die 25 % Kommission pro Buchung. Ich nutze die Portale gerne für einen Überblick darüber, was an einem Ort so angeboten wird. Oh, Blockdruck in Jaipur? Dann recherchiere ich weiter. Denn das erste Angebot auf einem Portal ist möglicherweise nicht unbedingt das beste, sondern hat nur am meisten für die Platzierung ausgegeben.
Wenn Du Dir einen Überblick über die Möglichkeiten verschafft hast, geht es ans Sortieren. Was davon interessiert Dich wie sehr? Was hat Priorität, was ist must-see für Dich, was ist nice-to-see?

Das alles schreibst Du Dir auf. Was kann man in A, B, C machen und wie lange dauert das? Wie lange willst Du in A bleiben? Wie kommst Du weiter nach B? Wie lange dauert das? Entwickele ruhig verschiedene Optionen und denk dabei auch mal ganz anders. Bedenke auch Einschränkungen, z. B. bei Öffnungszeiten. Als ich – ganz stolz – meinen ersten Reiseplan für das Goldene Dreieck fertig hatte, dämmerte mir, dass ich den Besuch im Taj Mahal auf einen Freitag gelegt hatte. Freitags ist das Taj Mahal geschlossen. 🥴

Ich selbst arbeite ganz klassisch mit Excel. Da kann ich so detailliert werden, wie ich will. Gerade bei Städtereisen teile ich mir die einzelnen Tage mitunter in Vormittag – Nachmittag – Abend ein. So habe ich direkt vor Augen, wie lange einzelne Programmpunkte dauern. Und manchmal merke ich auch: Das klappt so gar nicht. Dann wird umgeplant. Meistens schreibe ich mir mindestens drei Varianten derselben Reise auf, bis ich mit dem Zeitplan zufrieden bin.
Je nach Reiseziel und Reisezeit fange ich an dieser Stelle auch schon an, Unterkünfte zu recherchieren. Das hilft mir einzuschätzen, ob die Reise in der geplanten Form überhaupt umsetzbar ist. Als ich zum Beispiel meinen dreiwöchigen Roadtrip in Island plante, war mir schnell klar, dass bezahlbare Unterkünfte rar sind. Also habe ich ein beliebiges Startdatum gewählt und bei Booking geschaut, ob es für die Daten überhaupt Optionen gibt. Denn sonst hätte ich die Reise gleich wieder abgeblasen.
Vierter Schritt: Buchen
Wie viel Du im Vorfeld buchst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vielleicht ist es Dir wichtig, von Anfang an zu wissen, was Du wann machen und wo Du übernachten wirst. Und das ist auch total ok. Lass Dir nicht einreden, dass Du spontaner sein musst. Du sollst Dich mit Deiner Reise und Deiner Art zu reisen wohlfühlen.
Oder (siehe Beispiel Island) Du brauchst einfach Unterkünfte in einem bestimmten Preissegment. Oder Du willst in eine bestimmte Unterkunft, weil die so schön, aber immer ausgebucht ist. In beiden Fällen musst oder solltest Du im Vorfeld buchen.
Vor 20 Jahren bin ich gerne sehr spontan gereist. Flug gebucht, erste Übernachtungen, dann sehen wir weiter. Je nach Reiseziel wird das aber in den letzten Jahren immer schwieriger. Es sind einfach viel mehr Leute unterwegs als früher! Außerdem gab es früher vielerorts kaum Informationen im Internet. Ich wusste dann aus dem Lonely Planet oder dem Loose so ungefähr, was man wo machen kann. Aber tatsächliche Angebote dafür gab es nur vor Ort. Heute kann ich mir über die einschlägigen Portale alles schon im Vorfeld zusammenstellen.
Fünfter Schritt: Reisen
Enjoy! 🙂
Wie man eine Reise plant: 4 Tage mit dem Zug durch die Schweiz
So habe ich meine letzte Reise geplant:
Meine Rahmenbedingungen: Ich hatte vier Tage zur Verfügung. Im Februar. Ich wollte weg aus München, aber nicht zu weit.
Wohin also? Vier Tage bieten sich für eine Städtereise an, aber ich wollte lieber was ruhigeres. Wäre ich nach London oder Paris gefahren, wäre ich wieder nur von morgens bis abends unterwegs gewesen. Wandern im Berchtesgadener Land fällt aus, zu viel Schnee. Italien? Wetter zu unbeständig. Das Grand Egyptian Museum in Kairo ansehen? Zu weit weg.
Vielleicht doch einfach zu Hause bleiben??? Och nö.
Und dann fiel mir ein: Ich will doch schon seit Jahren mal mit dem Zug in und durch die Schweiz fahren. Panoramastrecken. Berge, Täler, Ausblicke. Ka-ching! Das perfekte Ziel. Nicht zu weit weg. Super Infrastruktur. Im Winter außerhalb der Skiorte noch Nebensaison. Und am wichtigsten: Es gibt viel zu sehen, ohne dass ich groß etwas dafür tun muss außer im Zug sitzen.
Ziel gefunden, jetzt die Detailplanung. Es ging mir um die Panoramastrecken, also habe ich zunächst recherchiert, was es da alles gibt. Dummerweise ist in der Schweiz fast jede Bahnstecke irgendwie eine Panoramastrecke. Außer, die Fahrt geht komplett durch den Tunnel. Hier musste ich also eine Auswahl treffen.

Dann habe ich mich mit Google Maps und der SBB-Website daran gemacht, eine Route auszuarbeiten. Dabei musste ich auch mein eigenes Denken austricksen. Denn mein Kopf war der Meinung, ich könne nur von A nach B fahren. Aber ich kann ja auch noch nach C weiterfahren. So kam ich zu einer Tagestour von Interlaken nach Zermatt und weiter nach Montreux. Genauso wurde mir irgendwann klar, dass ich die Fahrt auf der Route des Glacier Express nicht in Chur beenden muss. Vielmehr kann ich direkt weiter nach München fahren und mir so eine Übernachtung sparen.
Das alles hat einiges an Zeit gekostet. Denn ich war zunächst mit der Route nicht zufrieden. Die eine Strecke war zu kurz, die andere zu lang, bei der dritten hätte ich zu viel backtracking gehabt. Aber schließlich hatte ich einen Plan.
Nächstes Problem: 💰. Bekanntlich ist die Schweiz sauteuer. Aber selbst das ließ sich lösen.
Es fanden sich bezahlbare Hotels. Die SBB bieten eine Tageskarte an, mit der man nach Belieben mit Bus, Zug und Schiff fahren kann und die sich für lange Strecken sehr lohnt. Beides habe ich sehr zeitnah gebucht. Wenn ich länger gewartet hätte, wären die Hotels wahrscheinlich ausgebucht und die Tageskarten ausverkauft gewesen.
Ein weiterer Kompromiss war das Essen. Ich habe mich weitgehend aus der Bäckerei und aus dem Supermarkt verpflegt. Das war immer noch teuer 😂 und bestimmt kein Gourmet. Aber es hat die Kosten reduziert und mir eine gewisse zeitliche Flexibilität gegeben. Genauso bin ich nicht mit den ganzen Bergbahnen in Zermatt gefahren, sondern habe nur die kurze Option zum Sunnegga gewählt. Kurze Strecke, geringer Preis, dafür auch nur ein sehr „einseitiger“ Ausblick, nämlich dieser hier. ⬇️

Schreib mir gerne in die Kommentare, was Dir beim Planen einer Reise die größten Schwierigkeiten bereitet!