Warum ich schreibe

Dieser Beitrag entsteht im Zusammenhang mit der Blogparade Warum schreibst du – und welche Geschichte steckt hinter deinem Blog? von Gabi Kremeskötter.

Das Faszinierende an dieser Blogparaden-Aktion aus der Content Society ist ja die Vielfalt der Themen. Im Herbst 2023 sind fast 50 Blogparaden am Start. Mit manchen kann ich gar nichts anfangen – zum Beispiel die Frage von Susanne Patzt, wie man zum Ayurveda kam (ich mache kein Ayurveda), oder Jeannine Gashis Alltagstipps bei Allergien (betrifft mich zum Glück nicht). Andere sprachen mich hingegen schon vom Titel her an, unter anderem eben Gabis Thema.

Das Schreiben und ich – ein Stück in mehreren Akten

Ich blogge seit Juni 2023, also zum Zeitpunkt dieser Blogparade seit 4,5 Monaten. Lange Zeit war Schreiben im Internet gar kein Thema für mich. Als dieses Ding namens Internet aufkam und ich das erste Mal von Blogs hörte, damals noch als Internettagebuch beschrieben, schüttelte ich den Kopf. Ein Tagebuch ist für mich etwas Privates, das man eben nicht mit der Welt teilt. Zudem erschien es mir einfach irre viel Arbeit, und überhaupt, warum und womit sollte ich mich da draußen präsentieren?

Später winkte ich ab, wenn ich gefragt wurde, warum ich eigentlich keinen Reiseblog hätte – zu spät dran, kein professionelles Fotoequipment usw. Obwohl, interessiert hätte es mich inzwischen ja schon. Schließlich, bei einem Coaching zur beruflichen Neuorientierung, meinte sogar meine Schwester, ich sollte das mit dem Bloggen einfach mal machen. Im Mai 2023 spielte mir Facebook eine Anzeige für eine Blogchallenge bei Judith Peters aus, and the rest, as they say, is history.

Mit dem ersten Artikel hatte ich echt zu kämpfen. Ihn stellte ich auch erst Wochen nach Ende der Challenge fertig. Das lag am Thema, zu dem ich erstmal meine Gedanken finden und sortieren musste. Seitdem bin ich aber selber beeindruckt von meiner schriftlichen Produktivität. Dabei hatte ich mich nie als Schreiberling gesehen.

In der Schule fand ich Aufsätze sogar so richtig blöd. Mir fiel da nie was ein. Auf Befehl innerhalb von 45 Minuten eine Geschichte zu einem vorgegebenen Thema zu schreiben, war nicht meins. Einmal, es muss so in der 6. Klasse gewesen sein, hatte ich allerdings ein Meisterstück hingelegt, wie ich fand. Ich war richtig stolz. Die Lehrerin schrieb mir irgendwas von „unrealistisch“ und „zu phantasievoll“ drunter. Heute weiß ich, dass das mehr an ihr lag als an mir, aber damals fand ich das echt niederschmetternd. Ich war jedenfalls froh, als wir im Deutschunterricht zunehmend zu Textanalysen übergingen. (Dieselbe Lehrerin fragte mich Jahre später völlig entsetzt, warum ich denn nicht Deutsch als Leistungskurs wählen wolle. Tja. Leider gab es noch ein paar andere Deutschlehrer, die mir den Spaß doch eher verdorben hatten.)

Auch in der Uni sprach es mich am meisten an, wenn ich mich für eine Seminararbeit ein paar Wochen lang intensiv mit einem Thema auseinandersetzen und meine eigenen Gedanken dazu entwickeln konnte. Mein persönliches Highlight war die Magisterarbeit; noch immer liebäugele ich zumindest so ein bisschen mit dem Thema Promotion.

Später im Job schrieb ich auch viel, aber dieser Output war ein „Nebenprodukt“: Berichte, Projektanträge, Websites, Marketingmaterialien, solche Sachen.

Mein Schreiben

An Gabis (unverbindlicher) Fragenliste zu ihrem Thema merkte ich mal wieder, dass ich irgendwie anders schreibe als andere. So fragt sie zum Beispiel: „Wann hast du angefangen, eigene Texte zu schreiben? Gibt es einen besonderen Moment, in dem du das Schreiben für dich entdeckt hast?“ Gibt’s nicht. Oder die Frage „Wer bloggt, der schreibt. Doch heißt das nicht automatisch, dass du gerne schreibst. Wie ist das bei dir?“ Meine spontane Reaktion war „Ich verstehe die Frage nicht“. Denn wenn mir Schreiben keinen Spaß machen würde, würde ich nicht bloggen.

Ich konnte mich einfach schon immer gut schriftlich ausdrücken und kann (meistens) schnell einen Text zu Papier bringen. Vielleicht fällt mir das Schreiben auch deshalb leichter, weil ich mir davon keine Erlösung verspreche, sondern es als intellektuelle Herausforderung betrachte.

Mein Schreiben war immer hauptsächlich funktional. Schreiben als Hauptberuf zu ergreifen, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Werbetexterin sprach mich nicht an, als Autorin hätte ich mich nicht gesehen. Ich mache und habe nichts von dem, was ich bei Schreibveranstaltungen und -kursen immer höre – kein Journaling, kein unveröffentlichtes Manuskript in der Schublade, kein Erweckungserlebnis, das mir zeigte: Du musst schreiben! (Gerade lese ich den Beitrag von Marianne Kewitsch, die zeitgleich mit mir ihr Blogabenteuer begann, und ihre Geschichte und Motivation sind so dermaßen anders, dass ich nur mit den Ohren schlackern kann…)

Was ich, anders als offenbar ziemlich viele andere, auch nicht habe, sind Schreibblockaden. Klar, manchmal fällt mir nichts ein. Oder ich bin nicht zufrieden mit dem, was ich da produziert habe. Lange habe ich mit dem Abschluss meines Barbie-Artikels gerungen. Der musste dann einfach noch ein paar Tage länger liegen. Ich benutze auch keine Techniken zur Themenfindung, sondern schreibe über das, was mir auf- und einfällt. Meine Texte werden fast immer im Kopf „vorverdaut“, also aufgebaut, strukturiert und teilweise formuliert. Wenn ich mit dem so erstellten Gerüst zufrieden bin, setze ich mich hin und schreibe runter. Und dann veröffentliche ich.

Veröffentlichen. Ein großes Thema beim Bloggen. (Siehe auch Sabine Becks Blogparade über Angst vor Sichtbarkeit.) Ich war total baff, als unsere Blog-Queen Judith Peters, of all people, sagte, dass sie nach 18 Jahren Bloggen noch immer aufgeregt ist, wenn sie auf den Veröffentlichen-Button klickt. Das habe ich (erstaunlicherweise) gar nicht. Ich sitze zwar mitunter lange an der Textoptimierung. Aber wenn ich den Text raushaue, haue ich ihn raus. No regrets. Überrascht hat mich hingegen das viele positive Feedback, das ich von Anfang an bekommen habe: von Freunden wie von Fremden und auch von Leuten, die ich als überkritisch oder wenig interessiert eingeschätzt hätte.

Meine Themen

Anfangs hatte ich Bedenken, ob mir nicht nach drei Wochen die Themen ausgehen würden, aber bislang läuft es. Ich merke auch schon, wie ich die Dinge zunehmend durch die „Bloglinse“ betrachte – kann ich darüber was schreiben? Das kommt wohl automatisch, wenn man sich medial ausdrückt. Als ich anfing, auf Instagram zu posten, hat sich meine Fotografie verändert – mit dem Bloggen veränderte sie sich abermals.

Ein wichtiges Thema ist natürlich meine große Leidenschaft, das Reisen. Meine Reiseerinnerungen festzuhalten, wäre auch die originäre Motivation für das Bloggen überhaupt gewesen. Weitere große Themen sind im weitesten Sinne Texte und Marketing. Darüber hinaus schätze ich die Möglichkeit, auch über völlig andere Dinge zu schreiben, die mich gerade interessieren und beschäftigen.

Wie ich meine Texte entwickele, fragt Gabi noch. Abgesehen von Einleitung – Hauptteil – Schluss und Spannungsbogen gilt: Kommt drauf an.

Reisen handele ich nach Möglichkeit chronologisch ab. So ist es für mich am einfachsten, mich zu erinnern. Und falls Menschen diese Texte als Inspiration nutzen, sollen sie ja auch Anhaltspunkte bekommen, wie sie ihre eigene Reise strukturieren können. Hier fließen auch „nebensächliche“ Informationen in Form von Anekdoten ein. Ich schreibe schließlich keine rein informative Anleitung, sondern will auch unterhalten.

Themen mit Businessbezug handele ich natürlich straffer ab. Ich kann ja nicht ausländischen Unternehmen erzählen, dass sie sich kurz fassen und ihre Unterlagen strukturieren sollen, wenn sie auf den deutschen Markt wollen, und selber einen Text wie Kraut und Rüben abliefern.

Und die „freien Themen“, also im weitesten Sinne alles, was unter „Persönliches“ oder „Beobachtungen“ abgelegt ist, gehe ich auch entsprechend frei an.

Schreiben und SEO

Seit kurzem befasse ich mich auch mit dem Thema SEO, also Suchmaschinenoptimierung. Noch habe ich mich damit nicht endgültig angefreundet.

SEO stellt ein gewisses Korsett dar, das mich davon abhalten will (muss), mich ganz frei auszudrücken. Wenn ich einen Text auf ein bestimmtes Keyword optimieren will, muss dieses natürlich wiederholt im Text auftauchen. Und im Titel und in den Überschriften und den Alt-Attributen der Bilder und in der Meta-Beschreibung. Argh! Es entspricht nicht meinem Verständnis von einem gut geschriebenen Text, wenn bestimmte Begriffe andauernd auftauchen. Mich nervt das richtig, auch, weil ich SEO-Texte inzwischen auch ganz gut erkenne und mich an dieser gewissen Künstlichkeit im Text immer wieder reibe.

Quo vadis, Blog?

Ha! Wenn ich das wüsste!

Was ich allerdings weiß: Durch das Bloggen habe ich seit Juni einen wahnsinnigen Energieschub erhalten. Hier fokussiert sich mein Geist, hier bin ich produktiv und kreativ, hier habe ich Spaß. Ich hoffe, es geht so weiter, und ich hoffe, meine Leser*innen haben auch Spaß.

16 Kommentare

  1. Liebe Julia ich bin beeindruckt von deinem Blogartikel. Mir geht es genauso dass mir in der Schule das Schreiben vermiest wurde. Außerdem habe ich auch keine Schreibblockaden oder Schreibgewohnheiten. Das Veröffentlichen ist bei mir auch überhaupt kein Problem und haue es einfach raus, wie du sagst.
    Ich lebe nach dem Motto: Lieber unperfekt gestartet, als perfekt gewartet.
    Schön, dass wir ähnlich gestrickt sind.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Freude und Erfolg beim Bloggen.

    Herzliche Grüße von Anita ❤️🙋🏼‍♀️

  2. Hallo liebe Julia,
    danke für Deinen sehr persönlichen Einblick. Warum geben Lehrer eigentlich so seltsames Feedback, wo Kinder doch am Lernen sind. Ich kann mich nicht mehr an meine Aufsätze erinnern, aber beim Zeichnen ist das ganz ähnlich. Warum trauen wir uns nicht, zu zeichnen? Weil wir in der Schule dafür bewertet wurden. Ich war dann doch neugierig und bin auf Deine Über mich-Seite gehuscht. Nachdem ich jetzt weiß, dass Du auch aus München bist, winke ich mal rüber 🙂

    Liebe Grüße, Marita

    1. Hallo Marita,
      vielen Dank! Ich glaube, ein Problem ist halt auch, dass Lehrer*innen auch nur Menschen sind. Und die bringen ihre eigenen Themen mit in die Schule und gehen nicht immer gut damit um, wenn die Kinder nicht ihren Erwartungen entsprechen… Und dann gibt es halt eine schlechte Note statt eines aufbauenden Kommentars.
      Liebe Grüße nach Unterhaching, Julia

  3. Liebe Julia, ich bin beeindruckt.
    Dass Du Deine Texte und Deinen Content einfach so „raushauen“ und die Welt schicken kannst, ist toll! Da hast Du eine große Stärke und Freiheit, an der viele andere oft hart und lang arbeiten. Hast Du mal überlegt, woran das liegt? Wieso Dir das Schreiben über Reisen, Auflüge etc. so viel Kraft und Power verleiht? Geht es Dir mit jedem Thema so? Die Fragen finde ich interessant und schreibe sie hier einfach mal …. Vielleicht regen Sie Dich ja an zu neuen Blogabenteuern! Sag mir Bescheid, falls Du dazu mal Stift oder Tastatur zückst. Ich freue mich jedenfalls, dass wir uns in The Content Society und im persönlichen „Barbie-Shooting“ begegnet sind.
    Liebe Grüße, Sabine

    1. Liebe Sabine,
      vielen Dank, ich werde ganz rot!! Ich denke, es liegt daran, dass ich zwar manchmal lange über Entscheidungen sitze, eine getroffene Entscheidung dann aber durchziehe. Die Entscheidung „Text ist fertig“ geht bei Reisethemen schneller, bei manch anderem Thema langsamer, weil ich da andere Inhalte transportieren möchte und diese auch länger gedanklich vorbereiten muss.
      Es hat natürlich auch wieder was mit Deinem Thema Sichtbarkeit zu tun – schriftlich-inhaltlich habe ich da offenbar vergleichsweise wenige Hemmungen. 😉
      Ich freue mich auf weitere Begegnungen!
      Liebe Grüße, Julia

  4. Hallo liebe Julia,
    ein unglaublich toller Beitrag, der deine bislang noch kurze Reise doch zu einer sympatischen Reise macht. Und dich gleich mit dazu.
    Ich wünsch dir, dass du viele tolle Blogmomente sammeln kannst, mit wertvollen Erinnerungen und wunderbaren Menschen, die man dabei kennenlernen kann.

    Liebe Grüße
    Melanie ♥

  5. Liebe Julia,
    danke für deinen Artikel zu meiner Blogparade und ich mag deine Herangehensweise sehr!
    Gerade weil du so schreibst, wie du eben schreibst. Und warum. Und was dir hilft und was nicht. Das ist ja das Besondere an uns Leuten aus der schreibenden Zunft: das Thema mag das gleiche sein, doch unser Ausdruck dazu, die Worte, die wir finden, bildet genau die Vielfalt ab, die Spannung erzeugt und Neugierde, sich jedem einzelnen Text zu nähern.
    Ich freue mich über die Energie und Kreativität, die das Bloggen die verleiht.
    Wir lesen uns!
    Herzliche Grüße
    Gabi

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