Es war nicht ganz Four Weddings and a Funeral, aber Three Birthdays and a Wedding. (Eine Beerdigung gab es auch noch in der Familie einer Kollegin.) An die Geburtstage bin ich ja gewöhnt, die wiederholen sich schließlich. Die Hochzeit war ein einmaliges Ereignis – nicht nur für das Brautpaar.
Geburtstag
Der Geburtstagmonat war wieder da. Bei uns sind ja gleich drei Leute „betroffen“. Ich mache den Auftakt.
50 bin ich jetzt.
Vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag zum Thema runder Geburtstag überlegt, wie dieser Tag werden würde. Meine Mutter hatte ein Riesenproblem mit ihrem 50., und ich habe mich lange gefragt, wie ich damit wohl umgehen würde. No big deal. Der Tag war schön, aber recht unspektakulär. Ich habe einen Tagesausflug gemacht, es gab Sonne und Regen, und abends habe ich Falafel gegessen. Ois easy.
Spaßeshalber habe ich mich auf WhatsApp mit diesem Bild offenbart:

Kapiert hat das nur M.
Die sonstigen Reaktionen in den folgenden Tagen waren interessant:
„Dein runder Geburtstag war doch letztes Jahr, oder?“
„Wieso, du bist doch erst 48!“
„Ich hätte dich auf höchstens 35 geschätzt.“ (Sagte die Kollegin, die am selben Tag 45 wurde, aber aussieht wie 30.)
Mitte des Monats war Familienzusammenkunft anlässlich des Geburtstags meines Stiefvaters. Das läuft ja eigentlich immer gleich ab, aber in diesem Jahr stellten wir alles auf den Kopf, denn:
Wir brachten ihm ein neues Telefon mit.
Das war schnell angeschlossen, jetzt muss er es nur noch nutzen.
Als das alles vollbracht war, gingen wir essen. Diesmal in ein anderes Lokal als sonst: zum Griechen. Das artete dann etwas aus. Wir wollten eine Vorspeisenplatte für zwei Personen bestellen, aber aufgrund eines Missverständnisses bekamen wir eine für vier. Zum Glück isst mein Neffe für gleich mehrere Personen. Und der Hund hat sich auch über die Mitbringsel gefreut. Denn wir hatten ja nicht nur Vorspeisen bestellt.
Am Geburtstag meiner Schwester konnte ich leider nicht persönlich teilnehmen, aber wir sahen uns doch noch mal ganz in Ruhe. Ich war nämlich in Köln zu einer …
Hochzeit
Nein, nicht meine. Meine Kindergartenfreundin Verena heiratete ihren langjährigen Partner Bernd. In Köln. Sie lebt da, ist also naheliegend.
Leider war gleichzeitig Gamescom.
Die Hochzeitsgesellschaft war also nicht die einzige Gruppe, die seltsam gekleidet daherkam. 😂
Ich reiste mit der Bahn an, und wie schon in der Woche zuvor auf dem Weg nach Hannover lief alles bestens. Wir waren sogar drei Minuten vor Plan am Hauptbahnhof. Genug Zeit also, um noch ins Hotel zu eilen und ein (mäßig gutes) Spaghettieis zu essen, bevor es los ging.

Die standesamtliche Trauung war dann grundsätzlich sehr schön – nur die Standesbeamtin gewinnt einen Preis im Schnelllesen. Die hat ihre Rede runtergerattert, als wäre der Teufel hinter ihr her. Etwas schade.
Nach gefühlt noch drei Runden Sekt und einem Lied wurden wir in Taxis verfrachtet („hinten links, anschnallen!“) und zum Restaurant gefahren. Natürlich nicht irgendein Restaurant, sondern ein veganes Sternerestaurant. 🤩 NeoBiota. Klare Empfehlung, wenn man mal sehen möchte, was mach so ganz anders aus Pflanzen machen kann.

Auf der Karte standen vier Gänge, insgesamt waren es aber (mit Hors d’Oeuvre) acht. Ach ja, Brot gab es auch noch. Wir waren alle sehr satt.


Die nichtalkoholischen Getränke waren übrigens auch super.
Am nächsten Tag setzte gleich morgens der Katzenjammer ein. Stellwerksstörung auf der Strecke nach Frankfurt, entnahm ich dem DB Navigator. Na gut, mein Zug ist erst am Nachmittag, vielleicht haben sie es bis dahin repariert.

Nein, hatten sie nicht. Aus der Störung wurde ein Defekt. Mehrere Züge fielen aus. Der Bahnhof wurde währenddessen immer voller – auf Bahnsteig 2/3 konnte man sich zwischenzeitlich gar nicht mehr bewegen.

Mein gebuchter Zug fuhr schließlich ein. Ich fand einen Sitzplatz. Der Zugführer sagte durch, der Zug sei überfüllt und könne so nicht abfahren. Dass Passagiere ohne Sitzplatz den Zug verlassen sollten, sagte er erst beim nächsten Mal mit dazu. Nach einer Stunde am Bahnsteig verkündete er uns, wir bekämen in etwa 40 Minuten einen zweiten Zugteil und könnten dann fahren. Zehn Minuten später bemerkte irgendjemand, dass der Bahnsteig ja gar nicht lang genug sei für einen zweiten Zugteil.
Unser Zug fiel aus.
Ich habe dann bei Verena übernachtet. 🙈
Am nächsten Morgen (ihre Katze ließ sich endlich von mir streicheln) war der Spuk vorbei. Der ICE um 7:30 Uhr fuhr pünktlich ab und kam fast pünktlich an.

Obersalzberg & Kehlsteinhaus
Der Ausflug des Monats ging ins Berchtesgadener Land: zum Obersalzberg und Kehlsteinhaus. Zur Dokumentation Obersalzberg wollte ich schon lange mal. Leider dauert die Anfahrt mit dem Zug gute drei Stunden.

Mit dem Bus geht es schneller, und da ich als Guide kostenlos bei anderen Touren mitfahren kann, musste ich nicht lange überlegen.
Wie immer bei Touren war die Zeit leider knapp bemessen. Durch die Dokumentation konnte ich im Endeffekt nur durchhecheln. Kollegin Ursula glich das durch eine wahre Flut an Informationen und Details aus.
Eigentlich war ab Mittag Regen und Gewitter angekündigt, sodass ich mich schon gefragt hatte, ob wir überhaupt zum Kehlsteinhaus kommen würden. Doch dann war es trocken, fast ein wenig sonnig.
Das Kehlsteinhaus selbst (ein Topreiseziel für Gäste aus den USA) war ja in erster Linie ein Propagandainstrument. Und natürlich ist alles sehr beeindruckend: die Anfahrt über die Straße, der Aufzug, die ganze im Original erhaltene Ausstattung. Alles wurde in nur 13 Monaten gebaut. Gleichzeitig ist es fast ein wenig surreal, bei Ankunft mitten in einem Restaurant zu stehen.
Naja, es soll natürlich auch keine würdevolle Wallfahrtsstätte sein.

Ursula scheuchte uns direkt nach draußen und in Richtung Gipfelkreuz. Denn hier warten die richtig tollen Ausblicke auf Königssee, Jenner, Untersberg und Salzburg.

Später, auf dem Fussweg zurück zu oberen Bushaltestelle, zeigte sich dann wieder das Schicksal aller Guides: Die Leute hören dir einfach nicht zu. Ursula hatte mehrfach betont, dass Hitler nur wenige Male im Kehlsteinhaus gewesen war (er hatte u. a. Höhenangst). Der Australier, der mit uns mitlief, sprach in sein Telefon, er sei gerade am Eagle’s Nest, „Hitler’s favourite place during the war.“
Nun ja. 🙄

Nach dem Mittagessen reichte die Zeit leider nur für den 40-minütigen Rundgang in der sehr gut gemachten Dokumentation Obersalzberg. Hierher muss ich also bald nochmal kommen.

Was sonst noch los war
Etwas Unglaubliches ist bei meiner Neuschwanstein-Tour passiert.
Nein, wir haben nicht alle Gäste verloren.
Wir sind eine Minute vor der angegebenen Zeit in Hohenschwangau abgefahren.
Wenn ich mir überlege, wie oft Leute mit 10-15 Minuten Verspätung oder eben gar nicht zum Bus zurückkommen, ist das wirklich sensationell.
Bei der nächsten Tour war es dann auch sehr interessant. Wir hatten eine Dame dabei, die mir mehrfach sagte, sie sei selbst Tour Guide in London. Seit vielen Jahren schon.
Dabei hat sie leider nicht gelernt, dass die Anfangszeiten für Führungen auf den Eintrittskarten abgedruckt sind, und dass man ein Drehkreuz durchschreiten muss. Sie schob es mit der Hand, bis es einrastete, und wunderte sich dann, dass sie nicht mehr durchgehen konnte.
Schließlich wollte sie in Linderhof auch noch in den falschen Bus zur Weiterfahrt einsteigen.
Ich hätte drauf wetten können, dass sie in Hohenschwangau nicht zum Bus zurückfindet. Aber dann war es ein junges Paar, auf das wir warten mussten.
Trotzdem sind wir nur zwei Minuten verspätet abgefahren. Also alles gut.
Am nächsten Tag im Guide-Gruppenchat: Ob der Bus zur Zugspitze bereits abgefahren sei? Hier stünden noch zwei Gäste, die statt am Stachus (wo Autos fahren und Busse halten dürfen) am Marienplatz (Fußgängerzone) auf den Bus gewartet hätten …
Abendessen mit Owais, der nach zwei Jahren mal wieder in Deutschland war. Ich muss demnächst endlich mal nach Pakistan fahren.
Apropos Abendessen: Hier sind die Genüsse des Monats.

Durchbruch im Museum: Nach WOCHENlanger Arbeit habe ich endlich Anfrageformulare für Führungen online gestellt. Und sogar die Kartenzahlung funktioniert!
Das war wirklich eine schwere Geburt mit einer echt komplizierten Software.
Liebe Julia, vielen Dank für diese schönen Einblicke in deinen ereignisreichen August.☺️ Was für tolle Fotos! Und die Teller im veganen Hochzeitsrestaurant sehen mega gut aus! Na, aber dann hast du doch nun schon dein Soll an Zugverspätungen erreicht – nun kann es nur noch besser (und pünktlicher ) werden. Gute Reise und herzliche Grüße, Sona