Tag 4 meiner Sparfuchs-Zugreise, bei der ich auf Panoramastrecken durch die Schweiz fahre. Heute ist ein richtiger Sparfuchs-Tag. Denn ich fahre die Strecke des Glacier Express, allerdings ohne den Glacier Express. Es gibt nämlich eine Alternative zu diesem schönen, aber teuren Zug.
Der Glacier Express verkehrt zwischen Zermatt und St. Moritz. Beide Ort kennt man, zumindet vom Hörensagen. Beide sind sauteuer und sehr chic. Zermatt bietet Blick aufs Matterhorn und weitere Berge. Die jeweilige Gegend und die Strecke dazwischen sind spektakulär. Kein Wunder, dass die Leute dorthin wollen und der Glacier Express regelmäßig ausgebucht ist.
Auf derselben Strecke fahren aber auch ganz normale Regionalzüge. In einem saß ich bereits: Mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn bin ich nur zwei Tage zuvor von Visp nach Zermatt gefahren.
Bei der Fahrt mit dem Regionalzug muss man mehrmals umsteigen, dafür ist sie deutlich günstiger. Ich fahre heute von Brig nach Chur. Im Glacier Express kostet das 84 Franken plus 54 Franken für die obligatorische Platzreservierung (2. Klasse, versteht sich). Die komplette Strecke von St. Moritz nach Zermatt kostet sogar 213 Franken.
Ich hingegen habe für meine Spartageskarte nur 79 Franken bezahlt. Dafür bekomme ich zwar keine Panoramafenster, aber mehr Lokalkolorit. Und ich kann den ganzen Tag in der Schweiz herumfahren – in meinem Fall bedeutet das, dass die Anreise ab Spiez und die Weiterfahrt bis fast an die deutsche Grenze inkludiert sind.
Spiez – Brig
Nach einem üppigen Frühstück verlasse ich mein Hotel im Laufschritt: Der IR nach Brig fährt zehn Minuten früher als gedacht. Allerdings hätte ich mir die Eile sparen können, denn der Zug hat neun Minuten Verspätung. 🥴 Ich wusste gar nicht, dass das in der Schweiz überhaupt legal ist.
In der App wird mir angezeigt, es sei mit geringer Auslastung zu rechnen – tatsächlich ist der Zug zum Bersten voll mit Menschen, die zum Skifahren unterwegs sind. Ich quetsche mich zu einem Paar an den Gruppentisch. Die Fahrt geht heute durch den Lötschberg-Basistunnel und verläuft großteils im Dunkeln. Zwei Tage zuvor bin ich die Lötschberg-Bergstrecke gefahren. Sie ist zwar deutlich schöner als der Tunnel, aber heute wäre mein Reisepensum damit nicht zu schaffen. Eine Kröte muss man schlucken. 😂
Brig – Andermatt
Auch im Tunnel holen wir die Verspätung nicht wieder rein. Bei Ankunft in Brig wird mein Anschlusszug nach Andermatt schon gar nicht mehr angesagt. Doch tatsächlich rennt etwa die Hälfte meiner Mitreisenden in Richtung Gleis 11, die meisten davon mit Skiern in der Hand. Ich renne also hinterher. Draußen – in Brig gibt es auf dem Bahnhofsplatz noch drei weitere Gleise – wartet die Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Andermatt auf uns. Erstaunlich, wie viele Menschen in so einen kleinen Zug passen. Wir stehen dicht gedrängt und ruckeln los.

Die Alpinskier steigen bald aus und werden von Langlaufenden abgelöst. Spätestens im sonnigen Oberwald steigen alle aus. In einem quasi menschenleeren Zug fahren wir in den Furka-Basistunnel ein – auf der anderen Seite hängt der Nebel wieder tief.
Der 15,4 km lange Furkatunnel ist der Grund, warum die Strecke im Winter überhaupt durchgängig befahrbar ist. Die ursprüngliche Strecke über den Furkapass wird komplett eingeschneit. Deshalb fuhr der Glacier Express früher nur im Sommer. Sonst war die Lawinengefahr zu groß. Und nachdem der Tunnel eröffnet wurde, wurde der Betrieb des Express zunächst komplett eingestellt, denn die neue Strecke führte nicht mehr an dem Rhône-Gletscher vorbei, dem der Glacier Express seinen Namen verdankt.
Inzwischen ist der Gletscher so weit zurückgegangen, dass man ihn von der Strecke aus eh nicht mehr sieht. 😭
Die Lawinengefahr hingegen bleibt bestehen, gerade bei starkem Schneefall. Einen Tag nach meiner Fahrt wird die Strecke gesperrt.
Andermatt – Disentis-Mustér
Umstieg in Andermatt. Überall Skifahrer, dabei sieht man vor lauter Nebel kaum die Hand vor Augen. Der Umstieg ist sehr effizient: Durch die stufenfreie Unterführung wechsele ich auf den anderen Bahnsteig, wo gleichzeitig der Zug nach Disentis-Mustér einfährt.

Von Andermatt aus geht es durch viele Tunnel steil bergauf – und in den Nebel hinein. Streckenweise sieht man nur weiß.

Ich kriege im Zug fast einen Vogel. Es kann ja wohl nicht sein, dass die beste Sicht auf dieser Strecke im Tunnel herrscht?? Doch am Oberalppass (höchster Punkt der Matterhorn-Gotthard-Strecke mit 2033 m) lacht wieder die Sonne und gibt den Blick frei auf mal sehr beeindruckende Berge. Ich klebe an der Fensterscheibe.


Schließlich wird der Schnee wieder weniger, bis er im Tal ganz verschwunden ist.
Disentis-Mustér – Chur
In Disentis-Mustér ist man bereits in Graubünden. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn übergibt an die Rhätische Bahn. 1:15 Stunden bis Chur.
Die Fahrt geht hier den Vorderrhein entlang und durch die Rheinschlucht. Sensationell, auch wenn die eigentliche Schlucht recht kurz ist.

Unterwegs kommt uns der Glacier Express entgegen, offenbar komplett ausgebucht. Und was mich schon im MOB GoldenPass zwischen Montreux und Zweisimmen gewundert hat, sieht man auch hier gut: Da buchen Leute einen Panoramazug, zahlen ein Heidengeld für ihren Platz und starren dann nur auf ihr Handy.
Gute 30 Minuten Aufenthalt in Chur – leider habe ich die Faschingsparty ganz knapp verpasst.

Chur – St. Margarethen – München
Es wird ja nicht langweilig in der Schweiz. Von Chur nach Norden ist das Tal wieder weiter, die Berge nicht mehr so hoch, dafür aber sehr dramatisch. Da sieht man wieder gut, wie der Kalkstein seinerzeit gefaltet worden ist.

Von St. Margarethen aus fährt eine S-Bahn über Bregenz nach Lindau, wo der RE nach München wartet. Allerdings nicht auf mich: Denn es gibt hier eine Verspätung. Dummerweise steige ich in Lindau-Reutin aus statt in Lindau-Insel und hänge eine Stunde lang am Bahnsteig herum. Etwa zwölf Stunden nach Abfahrt in Spiez komme ich am Münchner Hauptbahnhof an. Ich bin müde, aber sehr zufrieden mit meiner Reise. Beim nächsten Mal knöpfe ich mir den Bernina-Express und den Gotthard-Express bzw. natürlich wieder deren Alternativen vor.

Kurzinfo Glacier Express
Der „langsamste Schnellzug der Welt“ fährt in acht Stunden und mit großem Luxus täglich von Zermatt nach St. Moritz oder in die andere Richtung. Die Tickets sind teuer, eine Reservierung obligatorisch. Dafür gibt es riesige Panoramafenster. Und auch sonst gibt der Glacier Express sich sehr exklusiv.
In der ARD-Mediathek gibt es eine dreiteilige Reihe zum Glacier Express von ca. 2017. Die Reise geht in die andere Richtung, als von St. Moritz nach Zermatt. Hier ist Teil 1 abzurufen.
Die Spartageskarte gilt im Glacier Express nicht.
Kurzinfo Alternative zum Glacier Express
Die vom Glacier Express befahrene Strecke wird auch von der Matterhorn-Gotthard-Bahn und von der Rhätischen Bahn bedient.
Die Matterhorn-Gotthard-Bahn verkehrt, wie der Name schon sagt, zwischen Matterhorn (also Zermatt) und Gotthard (also Disentis-Mustér). Es gibt aber keine komplett durchgehende Verbindung. Vielmehr scheint die Streckenführung zu sein: Zermatt – Brig – Fiesch (in Visp und Brig besteht Anschluss zu den IC-Zügen); Brig – Andermatt; Andermatt – Disentis-Mustér. Die Fahrpläne sind so aufeinander abgestimmt, dass ein Umstieg in der Regel problemlos möglich ist.

Die gesamte Strecke hat 60 Brücken über 10 m Höhe und fast 32 km Zahnradstrecken.
Zwischen Disentis-Mustér und Chur verkehrt die Rhätische Bahn. Sie betreibt auch den Bernina Express zwischen Chur und Tirano (Italien). Die Strecke steht noch auf meiner To-Do-Liste. In Reichenau-Tramins, einige Kilometer westlich von Chur, besteht Anschluss nach St. Moritz.

Auf dieser Strecke kannst Du mit der Spartageskarte fahren. In der SBB-App kannst Du Dir Verbindungen anzeigen lassen und Fahrkarten kaufen. Die App schlägt Dir immer gleich eine Spartageskarte vor, wenn diese günstiger ist als das Steckenbillet.
Übernachtung in Spiez
In Spiez habe ich im La Belle Vue Boutique Hotel übernachtet. Das war die teuerste Unterkunft auf dieser Reise. Das Hotel hat ein schönes Café, ein sehr feines Frühstück und eine Dachterrasse mit Blick auf den See. Die Mitarbeiterinnen waren sehr freundlich. Die eine hat allerdings konsequent nur Schweizerdeutsch gesprochen.
Die Zimmer waren eher karg („skandinavisch“, also IKEA-Ästhetik), eine der beiden Matratzen im Doppelbett war schon stark durchgelegen. Badfliesen aus den 80ern würde ich jetzt auch nicht in einem Boutique Hotel erwarten. Mit dem Zimmer war ich also nicht ganz so zufrieden.