Pokhara, die Tourismushauptstadt Nepals, ist 220 Kilometer von Kathmandu entfernt. Im Grunde ist sie ein wahrgewordener Touritraum: Idyllisch am Fewa-See gelegen, bietet sie Blick auf die Annapurna-Süd-Kette, angenehmes Wetter, viele Aktivitäten und eine sehr gute Infrastruktur. Von Pokhara starten diverse Trecks inklusive Annapurna Base Camp. Es ist also was los.
Wir kamen vom Kathmandu-Tal aus an. Weil es auf der Straße so schön ist, fuhren wir nach nur einer Nacht in der Hauptstadt weiter nach Westen. Etwa acht Stunden später rollten wir in Pokhara ein. Ja, acht Stunden für 220 Kilometer.
Road to Pokhara
„Wir fahren Byway“, teilte Janak uns mit, als wir von der Hauptverkehrsstraße abbogen und anfingen, uns den Berg hinaufzuschrauben. Eine wirklich schöne und interessante Strecke über die Dörfer, allerdings nichts für schwache Nerven. Links geht es steil bergab, von rechts kommt Wasser, vorne fehlt irgendwie die Straße. Ich fühlte mich stark an Sikkim erinnert … aber da hatten wir die Art von Straße stundenlang, hier nur ein- oder zweimal. 😅
Schließlich war Schluss mit Byway, wir fuhren auf den Highway. Und der war dann doch deutlich schlimmer, als wir uns das vorgestellt hatten.

Die Strecke ist landschaftlich schön, aber leider ist alles von einer Staubschicht bedeckt. Die Fahrbahn ist über weite Strecken nicht geteert (einmal vom Monsun weggerissen, lohnt es sich kaum, die Reparatur anzugehen) und voller Schlaglöcher; die vermutlich ursprünglich mal zwei Fahrbahnen werden mindestens doppelt genutzt. Hier sind vom Moped bis zum überladenen LKW alle unterwegs. Und deshalb geht es bestenfalls im Schneckentempo voran. Trotzdem geschah direkt vor uns ein Auffahrunfall.
Als vor der avisierten Klopause mal wieder gar nichts ging, sind wir ausgestiegen und zu Fuß zu den Toiletten gelaufen. Unser Fahrer hat uns dann etwa 100 Meter weiter wieder aufgelesen. Überhaupt, die Klopausen. Wir hätten mal Fotos machen sollen von den ganzen Orten, an denen wir unsere Blasen entleerten.
Das Gute an Nepal ist: An den Hauptstraßen gibt es auf Schritt und Tritt Schilder, die auf „public toilet“ hinweisen. Die Leute, die an der Straße leben und arbeiten, stellen sie auf und lassen sich für die Nutzung bezahlen. Und sein E-Auto kann man auch gefühlt alle 50 Meter aufladen.
In Mugling machten wir Mittagspause. Auf der nepalesischen Landstraße hat man, wenn es ums Essen geht, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder man nimmt das überteuerte Buffet (Kernauswahl: chicken momo, chicken curry, fried chicken, fried noodles) oder man bestellt à la carte und sitzt dann ewig rum, bis das Essen kommt.


Mugling ist so eine Art Verkehrsknotenpunkt. Hier geht die Straße nach Süden in Richtung Bharatpur/Chitwan Nationalpark ab. Kaum hatten wir den Ort verlassen, wurde die Straße deutlich besser. Fast durchgehend geteert, und vor allem waren plötzlich die anderen Autos weg. Wir fuhren in einem fast als normal zu bezeichnenden Tempo und erblickten schon bald erste Berge.

Wieder Stau kurz vor Pokhara … aber dann kamen wir doch an und bezogen unsere Zimmer in einem nahezu feudal anmutenden Hotel mit Blick auf den See.
Peace Pagoda & Lakeside & Sound Healing
Auf dem Reiseplan stand am nächsten Tag der Beginn eines viertägigen Trekkings. Mit einem frisch ausgeheilten Bänderriss wollte ich das lieber nicht riskieren und hatte mich deshalb im nördlichen Teil Pokharas in einem Gästehaus eingemietet. Das war auch die richtige Entscheidung. Einen Tag hätte ich sicher geschafft, aber vier Tage lang täglich hunderte Höhenmeter, und das fast nur über Treppen? Ich wäre nicht sehr glücklich gewesen.
No Tik-Tok
Doch bevor die anderen aufbrachen, fuhren wir noch zur World Peace Pagoda. Diese befindet sich am anderen Seeufer. Soll eine schöne Wanderung sein – man setzt mit dem Boot über und steigt dann etwa 500 Meter auf. Mit dem Auto ging es natürlich schneller. 😅

Ich hatte noch überlegt, von der Pagode zur Shiva-Statue weiterzugehen, die etwa 45 Minuten entfernt ist (und die ich von meinem Hotelbalkon aus gesehen hatte). Janak hatte nur so komische Geräusche gemacht, und im Endeffekt habe ich mich für die faule Variante entschieden.
War auch ok so. Die Straße zur Pagode ist ziemlich steil. Vom Parkplatz aus geht es – wie üblich an zahlreichen Souvenirshops vorbei, hier wurde auch selbstgerösteter Kaffee stark angepriesen – ein paar Treppen hinauf. Selbst wenn man sich nicht für die Pagode interessiert (man kann sie nicht betreten, nur barfuß umrunden), lohnt sich der Besuch. Denn der Blick auf den Fewa-See, die Berge und Pokhara ist wirklich toll.



Und dann rauschten die anderen ab zum Trekking und ich in meine neue Unterkunft.
Am See
Für meine vier Tage in Pokhara hatte ich mir ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Umgesetzt habe ich davon – wenig. Das lag zum einen daran, dass es sehr angenehm war, einfach mal nichts zu tun, zum anderen … naja, lies selbst.
Am ersten Nachmittag hing ich einfach nur am Seeufer rum. Nördlich vom Vergnügungspark „Pokhara Disneyland“ ist es sehr entspannt. Gerade morgens ist es total ruhig, ein paar Touris joggen, es gibt viele Lokale mit Seeblick, die Preise sind moderater als im Zentrum.


Noch entspannter ist es bei Atma Jyoti Yoga Sound Healing, ein langer Name für ein kleines Studio nur wenige Minuten von meinem Guesthouse entfernt. Hier gibt es täglich eine Gruppensession sound healing, also Klangschalentherapie, auf Spendenbasis. Musste ich natürlich ausprobieren.
Klangschale in Action
Ich hatte damit gerechnet, dass es total voll sein würde. Aber tatsächlich war nicht mal eine Handvoll Leute da. Der kleine Studiohund blinzelte uns tiefenentspannt entgegen. Viel Platz zum Ausstrecken auf der Matte. Wunderbar.
Der erste Klang ertönte. Der zweite. Mit einem Mal tat mein Sprunggelenk, das seit meinem Umfall acht Wochen zuvor kaum einen Mucks getan hatte, so dermaßen weh, dass ich fast geschrien hätte. Am Ende der Session verschwand der Schmerz so schnell, wie er gekommen war. Und ich war trotz allem sehr entspannt.
Und das habe ich verpasst, weil ich nicht zum Trekking mitgegangen bin:

Paragliding
Am nächsten Morgen frühstückte ich mit Blick auf den See und zog dann wieder meine Orthese an. Denn ich hatte mich zum Paragliding angemeldet. Das war so ein tolles Erlebnis in der Türkei, dass ich es nochmal machen wollte. Mit seiner Kulisse aus hohen Bergen auf der einen und See auf der anderen Seite, bietet Pokhara nicht nur optisch tolle Bedingungen. Es gibt auch genug Aufwinde, um richtig hoch zu fliegen.
Am ersten Abend war ich bei Sunrise Paragliding, den nepalesischen Pionieren, vorbeigekommen und hatte mich sehr gut beraten gefühlt. Sprunggelenk mit Schiene? Kein Problem, hatte man mir versichert, die Piloten seien alle sehr erfahren, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Also buchte ich den einstündigen Flug.
Ich wurde Rajesh zugeteilt, dem, wie ich dann erfuhr, allerersten Paraglider im Land, der den Sport überhaupt erst bekannt gemacht hatte. Inzwischen hat Sunrise einiges an Konkurrenz. Und so war am Abflugort ganz schön was los. (Alle Fotos mit mir: Rajesh Bomjan.)



Erster krasser Unterschied zu Ölüdeniz: Der Abflug geht so schnell, dass man kaum anlaufen muss. Drei, vier Schritte, schon ist man in der Luft. Bei uns ging der erste Versuch trotzdem schief. 😂 Sicherheit geht vor.
Der zweite krasse Unterschied: Ich hatte offenbar etwas Schlechtes gegessen. Jedenfalls meldete mein ansonsten eher unempfindlicher Magen sich sehr bald und sehr deutlich. Rajesh meinte nachher nur, ihm sei gleich aufgefallen, dass ich so still sei. Er war offensichtlich auf alles vorbereitet. Wenn ich mich übergeben müsse, sagte er, solle ich mich bitte nach links über das Geschirr lehnen.
Natürlich musste ich mich übergeben. Nicht zu knapp. Völlig ungerührt reichte Rajesh mir Taschentücher an und lobte mich auch noch dafür, wie gut ich das gemacht hätte. 🥴



Trotzdem bat ich dann recht bald darum, den Flug zu beenden. Ich hatte sowieso die meiste Zeit die Augen zu. Der Landeanflug war dann auch wieder echt schön … zumindest das, was ich davon mitbekommen habe …
Den Rest des Tages verbrachte ich flach atmend auf meinem Bett.
PS: Unverhofft …
Als wir uns auf den Abflug vorbereiteten, hatte neben uns ein britisches Ehepaar so Ende 60 gestanden. Andrew und Juliet. Schnell war klar, dass er die treibende Kraft hinter dem Paragliding war und sie nur „überredet“ hatte. Sie wirkte gefasst, aber nicht voller Vorfreude.
Er hingegen war aufgeregt. Sehr aufgeregt. Während sein Pilot den Schirm entfaltete, redete Andrew so viel auf ihn ein, dass völlig klar war: Der stirbt fast vor Angst.
Danach habe ich ihn nicht mehr gesehen. Aber unten nach der Landung lief Juliet an mir vorbei. Und sie strahlte übers ganze Gesicht. Ich habe mich so für sie gefreut.
Wieder Lakeside & feste Nahrung
Einen Keks konnte ich mir zum Frühstück am nächsten Morgen schon wieder reinmümmeln. Und auch Gehen fühlte sich nicht mehr an wie auf einem Schiff im Sturm. Das waren ja ganz gute Zeichen. Also beschloss ich, ins Stadtzentrum zu laufen. Das war entlang der Seepromenade geschlendert etwa eine halbe Stunde entfernt. Eigentlich hatte ich noch vorgehabt, das Mountain Museum zu besuchen (Kollegenbesuch, klar!) – aber die Aussicht auf eine halbe Stunde Stop & Go im Auto war wenig verlockend. Für ein paar Fotos hingegen reichte meine Energie.


Pokhara ist – wen wundert’s – vollgestopft mit Souvenirshops und sonstiger touristischer Infrastruktur. Ich fand ein sehr gutes Restaurant (sogar mit Essen aus Bhutan, angesichts meines Magens riet man mir aber zu Momos) und einen Schal als Weihnachtsgeschenk. Dann wankte ich zurück in den Norden.

Am Abend hatte ich mich für ein privates Sound Healing angemeldet. So was habe ich in diesem Jahr schon mal in Galicien bei Jacomina Kistemaker gemacht. Das hier war anders.
Bei Jacomina lag ich auf dem Rücken, und sie suchte mit der Klangschale meinen Körper nach Energieblockaden ab. Nachher war ich so müde, dass ich fast im Stehen eingeschlafen wäre. Bei Jyoti gab es erstmal vedische Astrologie, ohne tiefere Erklärung für mich leider wenig aufschlussreich. Dann ging die Behandlung selbst los – auf dem Rücken und auf dem Bauch liegend, mit Gesängen und heißem Wasser in der Schale. Mein Knöchel tat wieder weh, aber nicht mehr so schlimm wie zwei Tage zuvor. Nachher fühlte ich mich entspannt und doch angenehm energetisiert.


Fazit: Für knapp 20 € war das absolut lohnend.
Warten
Den letzten Tag in Pokhara verbrachte ich mit Warten. Erst auf den Vermieter: „Uncle no here“, wurde ich informiert, als ich auschecken wollte. So in drei Stunden sei er zurück, bis dahin gehe leider nichts. Dann im Hotel auf die Gruppe. Und dann aufs Abendessen. E und ich landeten in einem Lokal, das so local war, dass um uns herum überall geraucht wurde.

Früh am nächsten Morgen bot sich ein wunderbarer Blick auf die Berge bei Sonnenaufgang. Schlecht schlafen kann auch Vorteile haben.


Und dann ging es weiter nach Süden, zum Chitwan Nationalpark. Die Nashörner warteten auf uns.
Aber erst traf ich noch ganz unverhofft Jacquie, die ich im Sommer in Galicien kennengelernt hatte. Beim Frühstück im Hotel.

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