Highways & Byways, dieser Begriff fiel wiederholt während meiner zwei Wochen in Nepal. Denn im Kathmandu-Tal gibt einen Highway. Der ist immer verstopft. Deshalb fährt man nach Möglichkeit auf den byways, also den Nebenstraßen. Die sind kurvig, eng und oft nah am Abgrund, dafür kommt man meistens besser durch.
Wir sollten auf dieser Reise viel Zeit im Fahrzeug verbringen. Denn auch wenn die Strecken vergleichsweise kurz sind, kann die Fahrt ewig dauern. Vielfach ging es nur im Schneckentempo oder gar nicht weiter. Das ließ genug Zeit, um die verstaubte Vegetation am Straßenrand zu betrachten oder zu überlegen, wie giftig die Abgase um einen herum wohl sind.
Unterwegs erwarteten uns Tempel, Berge und Nashörner.
Namaste, Kathmandu
Der erste Tag der Reise war der wildeste. Mein Air-India-Flug aus Delhi traf leicht verspätet in Kathmandu ein. Das Visum war schnell beantragt und bezahlt. Jetzt musste ich es nur noch ausstellen lassen. Doch dann ging erstmal gar nichts weiter. Ich stehe ja grundsätzlich immer in der langsamsten Schlange. Aber diese war besonders langsam.
Der Einreisebeamte, freundlich wie die meisten Nepalesen, machte gerne Smalltalk und befragte eine französische Touristin ausführlich nach ihren Reiseplänen. Nachdem er ihr das Visum bereits in den Pass gestempelt hatte, wohlgemerkt. Doch den Japaner, der nach ihr (und vor mir) dran war, hat er 20 Minuten lang stehen lassen. Und alle nach ihm natürlich auch.
Bei mir ging es dann relativ fix.
Der Geldautomat in der Ankunftshalle funktionierte natürlich nicht, also wechselte ich beim money changer einen Fünfziger und gab meinen Rupienstapel am Prepaid-Taxi-Stand direkt daneben wieder aus. Bhaktapur Durbar Square, kein Problem, 1500 Rupien, gute Fahrt.
Der Taxifahrer sah mir entspannt dabei zu, wie ich meinen Koffer in seinen Kofferraum hievte. Immerhin hatte er diesen für mich geöffnet! Los ging’s, ab in den dichten Berufsverkehr gegen 18 Uhr. Kurz vor Bhaktapur eröffnete mir der Fahrer, er dürfe ja eigentlich gar nicht bis zu meinem Hotel fahren, mache das nun aber doch aus reiner Herzensgüte, und dafür müsse ich noch mal 5 € bezahlen. Das roch mir doch stark nach einem Betrugsversuch. Und wie erwartet war das Thema schnell vom Tisch, als sich bei Ankunft der Hotelmanager einmischte.
Seufz. Schade, dass das mein erster Eindruck von Nepal sein sollte. Immerhin war es auch der letzte derart offensichtliche Scam.


Bhaktapur
Die alte Königsstadt Bhaktapur ist der Hammer. Es stehen wirklich überall Tempel, Paläste und sonstige Bauwerke herum. Alleine direkt um unser Guesthouse herum waren es sieben.


Straße runter, rechts, schon standen wir auf dem Durbar Square, also dem Platz vor dem Königspalast. Anfangs waren noch mehr Mönche als Touristen unterwegs. Das änderte sich aber bald.

Nepal und insbesondere die Königsstädte Bhaktapur, Patan und Kathmandu sind für ihre Holzschnitzereien bekannt. Hier wurde quasi alles verziert, so detailliert und kunstfertig, dass es kaum zu glauben ist.




Abseits vom Durbar Square, auf dem der Königspalast steht, sieht es bald anders aus. Es wird bunter, die Stromleitungen werden zahlreicher, ebenso die Souvenirshops.

Nicht weit entfernt ist der Pottery Square. Denn Bhaktapur ist für seine Töpferwaren bekannt. Leider oder zum Glück waren nur Gebrauchskeramik für den nepalesischen Haushalt und blöde Souvenirs im Angebot.



Ab hier verschwimmt meine Erinnerung. Es waren einfach so viele Tempel und Gassen. Aber es gab überall etwas zu entdecken.




Eigentlich reicht es ja auch schon, nur herumzulaufen und die Leute anzusehen.




Und schließlich wurde es Abend und allgemein etwas ruhiger.





Um kurz nach 12 hatte ich unseren Guide gefragt, wann es denn Mittagessen gäbe. Er hatte ziemlich konsterniert geschaut und schließlich geknurrt, na gut, es gebe da ein Lokal. War auch ein hübscher Laden. Aber das Essen war mehr international als lokal und preislich ambitioniert. Klar, als Guide will man nicht, dass sich die Gruppe gleich am ersten Tag geschlossen Brechdurchfall zuzieht. Trotzdem ging ich abends doch lieber nicht mit den anderen essen. Gleich um die Ecke von unserem Gästehaus gab es ein sehr gut bewertetes Restaurant, mit Plastikstühlen und offener Küche, wie es sich in Asien gehört. 😁

Nach dem Essen, es war schon dunkel und der Durbar Square fast menschenleer, traf ich noch auf eine Gruppe Einheimischer, die musizierten und sangen. Das war eine sehr besondere Atmosphäre.
Dhulikhel & Kloster Namobuddha
Dhulikhel liegt etwa 30 km östlich von Bhaktapur. Wir fuhren unseren ersten Byway: die Nebenstraße über die Dörfer. Ziel war das Kloster Namobuddha, die heiligste buddhistische Stätte im Land. In Nepal dominiert der Hinduismus, aber der Buddhismus ist auch gut sichtbar. Unser Guide wurde nicht müde zu betonen, dass die Grenzen fließend seien und man auch im Tempel der anderen Religion bete.
Nach einer kurzen „Wanderung“ erreichten wir unseren ersten Stupa. Namobuddha ist nun wirklich kein Geheimtipp, aber hier waren wir fast die einzigen Touris.



Und weiter ging es zum Kloster. Aber dann plötzlich Musik. Schon gleich bei Ankunft hatten wir Mönche gesehen. Jetzt gerieten wir in eine Begräbnisprozession. Hunderte Menschen gingen an uns vorbei, sich an einem langen weißen Tuch festhaltend. Schließlich folgte der Sarg. Mit so viel kultureller Immersion hatten wir nicht gerechnet.



Als endlich alle an uns vorbeigezogen waren, stiegen wir weiter auf und erreichten schließlich den Ort, wo eines großen Opfers gedacht wird. An diesem Ort traf Prinz Mahastawo hier vor langer Zeit auf eine Tigerin mit fünf Babys, die kurz vor dem Hungertod standen. Er ließ sich fressen, damit die Tiere überleben konnten. Eine ausführliche Version der Geschichte gibt es auf der Website des Klosters (Englisch).


Wir Ketzer waren allerdings mehr auf die Berge konzentriert, die sich plötzlich zeigten. Denn unser Tag hatte doch ziemlich verhangen begonnen. Nur wenige Schritte weiter wartete das Hauptkloster Thrangu Tashi Yangtse auf uns.



Das Kloster selbst ist ein Riesenkomplex mit erheblichem Grundbesitz. Wir schlüpften gerade noch in die Gebetshalle, während dort eine Zeremonie stattfand. Am nettesten war es ja, die kleinen Mönche zu beobachten, von denen einige offensichtlich lieber beim Fußballspielen gewesen wären. 😄 Der Rest der Anlage hat mich persönlich nicht so angesprochen. Es ist alles sehr neu und modern.
Als wir mit der Besichtigung fertig waren, brachte ich wieder das Thema Mittagessen ein. Jaja, gleich, sagte Janak. „Gleich“ war dann relativ, denn wir fuhren an diversen Lokalen vorbei, bis wir an einem Rohbau neben der Straße hielten. Hier gab es Essen.

Während wir warteten (ziemlich lange warteten, denn Essen dauert in Nepal immer richtig lang), schauten wir alle sehnsüchtig auf diese Schaukel, die da draußen stand. Ohne Mensch drin sieht sie ein wenig aus wie ein Galgen, aber mit Mensch …

Nachdem wir genug Fotos geschossen hatten, unternahmen wir einen Gang durch das Dorf, das gleich unterhalb der Straße lag. Der Weihnachtsstern wuchs haushoch, und auch sonst gab es viel zu sehen. Unter anderem die Ruinen zweier Hotelanlagen, die hier im Bau waren – bis COVID dazwischenkam.




Da stellt sich wieder die Frage, ob Entwicklung Fluch oder Segen ist. Natürlich hätten ein oder zwei Hotelanlagen den Dorfbewohnern zusätzliche Einkommensquellen verschafft. Es gäbe sicherlich einige Restaurants und vielleicht auch eine besser ausgebaute Straße. Aber so schön friedlich wie bei unserem Besuch wäre es sicher nicht mehr.



Zurück im Hotel … das uns durch seinen tollen Blick ins Tal begeistert hatte … stellte sich dann ein wenig Ernüchterung ein. Eiskaltes Zimmer, lauwarme Dusche, der erste Eindruck blieb also nicht ganz erhalten. Das Abendbuffet war wohl gut, aber diesmal ging trotzdem die halbe Gruppe auswärts essen.
In Dhulikhel sind wesentlich weniger Touris unterwegs als noch in Bhaktapur. Unser Lokal hatte zwar eine englische Speisekarte. Die Jungs hinter der Theke traf trotzdem fast der Schlag, als sechs Ausländer*innen vor ihnen standen. Und dann ganz komisch ihr Essen bestellen. Wir waren nachher sehr satt. Das Personal hatte wahrscheinlich für mehrere Tage genug von uns zu erzählen.

Ein paar weitere Fotos findest Du in meinem 12 von 12 – November 2025.
Changu Narayan & Kathmandu
Fahrt, Wanderung, Fahrt. Schön früh waren wir am nächsten Tag unterwegs ins Dorf Telkot. Von dort aus wanderten wir durch den Wald zum Hindu-Tempel Changu Narayan. Dieser gehört zum Weltkulturerbe – manchmal fühlt es sich an, als stünde in Nepal alles und jeder bei der UNESCO auf der Liste.

Die Wanderung war landschaftlich jetzt nicht sonderlich interessant, die Dörfer unterwegs hingegen schon.



Und der Changu Narayan Tempel hat mir sehr gut gefallen. Nicht nur wegen der hervorragenden Suppe, die ich dort bekommen habe. (Janak leistete schon deutlich weniger Widerstand gegen das Projekt Mittagessen als an den vergangenen Tagen.) Das Changu Restaurant ist gleich links am Parkplatz. Sieht nicht nach viel aus, hatte aber die beste Thukpa, die ich auf der Reise gegessen habe.


Gestärkt traten wir den Marsch zum Tempel durch die Souvenirgassen an. Der Changu Narayan ist der bedeutendste Hindutempel Nepals und wurde vermutlich schon um 325 n. Chr. angelegt.





Danach ging es zurück auf den Highway. Man glaubt ja gar nicht, wenn man durch die Dörfer fährt, dass nur wenige Kilometer entfernt plötzlich alles laut und verstopft ist. Richtig schlimm wurde es auf der Ringstraße in Kathmandu. Zu Fuß wären wir wahrscheinlich schneller gewesen.
Unser Hotel war trotz seiner Lage an der Straße erstaunlich ruhig. Naja, zumindest, wenn man, wie ich, ein Zimmer nach hinten raus hat. Dafür habe ich sogar ertragen, dass jemand da drin geraucht hat. 🤢
Einige von uns hatten noch nicht genug vom Verkehr und fuhren zum Durbar Square. 40 Minuten für 5 Kilometer 😵💫, das brauchte ich ja echt nicht. Wir Zurückgebliebenen gingen nur über die Straße zum Essen und lösten erneut diese Mischung aus Faszination und Panik aus …

Am nächsten Tag erwartete uns die lange Fahrt nach Pokhara. Von dort aus zum Chitwan Nationalpark und zurück nach Kathmandu und Patan.