Panoramastrecken in der Schweiz Tag 3: MOB GoldenPass Montreux – Spiez

Tag 3 meiner Sparfuchs-Zugreise, bei der ich auf Panoramastrecken durch die Schweiz fahre. Heute wird es gar nicht sparfuchsig. Ich fahre mit dem MOB GoldenPass, der zwischen Montreux am Genfer See und Zweisimmen im Berner Oberland verkehrt. Aber nicht nur das: Ich habe den „Käsezug“ gebucht, der einen Zwischenstopp in Château-d’Oex und ein Käsefondue beinhaltet. Und natürlich extra kostet.

GoldenPass Teil 1: Belle Epoque

Montreux ist, zumindest im Februar, eine erstaunlich ruhige Stadt. Ich schlafe bestens. Leider ist es draußen noch trüber als am Vortag. Dennoch warten am Genfer See und in der Bäckerei reichliche Kunstwerke auf den Betrachter bzw. auf den Magen.

Apfeltarte und Kunst mit Blick auf den See.

Um kurz vor 9 checke ich aus und keuche die steilen Stufen zum Bahnhof hinauf. Am Nebengleis steht bereits der MOB GoldenPass Panoramic, also der Panoramazug, nach Zweisimmen. Er füllt sich schnell. Auf meinem Bahnsteig wartet außer mir nur eine Familie, die offensichtlich zum Skifahren will. Schließlich rollt mein Zug ein; ihm entsteigen einige mürrisch dreinblickende Einheimische.

Der MOB GoldenPass Belle Epoque im Bahnhof Montreux.

Auf der GoldenPass-Strecke verkehren drei unterschiedliche Züge, darunter auch einer mit restaurierten Belle-Epoque-Wagen. Wenn schon, denn schon, also habe ich mir natürlich trotz des Aufschlags für die erste Klasse hier einen Platz gebucht.

Hach, ist das ein schöner Zug! Und so fotogen!

Ich bin schon früh am Bahnsteig und kann daher in Ruhe Bilder machen. Bis zur Abfahrt ist unser Wagen dann fast komplett voll. Wir ruckeln los. Die Fahrt beginnt mit einem steilen Aufstieg. Direkt hinter Montreux erheben sich die Berge. Hier fungiert der Zug noch als so eine Art S-Bahn, die an gefühlt jeder Milchkanne anhält. Später kann man nach Gruyère umsteigen. Noch mehr Käse.

Unten liegt Montreux.

Château-d’Oex

Beim Käsezug steigt man etwa auf der Hälfte der Strecke, in Château-d’Oex, aus. Ich hatte kurz überlegt, noch zwei Kilometer weiterzufahren, mir die dortige Schlucht anzusehen und zu Fuß ins Dorf zurückzulaufen. Zum Glück habe ich die Idee wieder verworfen. Die Gegend ist sehr steil und war teilweise vereist – das wäre kein Spaß geworden. Aber bis zur Hängebrücke im Dorf habe ich es geschafft.

Château-d’Oex.

Jetzt habe ich mir mein Essen aber verdient! Im Restaurant Le Chalet ist die Käsevorführung bereits im vollen Gange. Hier wird jeden Tag in der Gaststube ein Käse hergestellt, in Handarbeit. Käser Michel rührt. Kurz darauf rühre ich auch: im Käsefondue. Mein allererstes! Es besteht allerdings nicht aus dem gerade entstehenden Käse, der ist zu diesem Zeitpunkt noch kaum geronnen.

Links das Käsefondue von demnächst, rechts das heutige.

Zuerst war ich ja fast etwas enttäuscht, als man mir dieses kleine Töpfchen vor die Nase stellte, und witterte darin den Versuch, mir noch einen Nachtisch anzudrehen. Aber nachdem ich vier Scheiben Brot im Fondue versenkt habe, oder waren es fünf, bin ich doch ziemlich satt.

Ebenfalls im Preis des Käsezugs inbegriffen ist das Musée du Pays d’Enhaut. Das ist eine Art Heimatmuseum, das allerhand Interessantes über die Geschichte und Kultur der Region vermittelt (leider fast nur auf Franzözisch beschriftet). Außerdem ist hier auch das Schweizer Zentrum für Scherenschnitt angesiedelt. Wieder was gelernt: Diese Gegend ist die Hochburg des Scherenschnitts. Da werden nicht nur Sterne für die Fensterdekoration ausgeschnitten, sondern ganze Geschichten in schwarz-weiß erzählt.

Das war übrigens das Set im Restaurant …

GoldenPass Teil 2: Panoramic

In Château-d’Oex kann man auch noch mit den Heißluftballon fliegen, aber auch das muss bis zu meinem nächsten Besuch warten, ebenso wie die zahlreichen Wanderwege der Gegend. Es ist kalt und regnerisch, also eile ich zum Zug. Diesmal erwische ich den GoldenPass Panoramic. Er ist deutlich leerer als der Belle Epoque. Und, muss man sagen, auch bequemer. 😂

In Gstaad steigt der extravagant gekleidete Herr mit der häßlichen, aber sicher reinrassigen Bulldogge aus. Ansonsten sieht der Ort zumindest am Bahnhof gar nicht so exklusiv und luxuriös aus. Danach gleitet wieder die Landschaft an uns vorbei.

Regionalzug: Spiez

Es gibt auch bestimmte GoldenPass-Züge, die bis nach Interlaken fahren. In Zweisimmen ändert sich die Spurweite der Züge; nur wenige können von der einen zur anderen wechseln. Der Panoramic endet in Zweisimmen, ich fahre ich mit einem modernen Regionalzug weiter. Der wartet schon. (Nebenbei bemerkt ist die Strecke mit dem Regionalzug auch deutlich günstiger als mit dem MOB GoldenPass.)

Eigentlich hatte ich mir am Abend noch Spiez ansehen wollen. Aber dann regnet es und ist allgemein so unfreundlich, dass ich den Ausblick auf den Thuner See lieber von meiner Unterkunft aus genieße.

Eine letzte Nacht in der Schweiz, bevor es morgen auf der Strecke des Glacier Express nach Chur und zurück nach Deutschland geht.

Kurzinfo MOB GoldenPass

MOB steht für „Montreux Oberland Bernois“ – also die Verbindung zwischen Montreux und dem Berner Oberland.

Auf der Strecke Montreux – Zweisimmen – Interlaken verkehren drei verschiedene Zugarten. Der GoldenPass Express fährt ab/bis Interlaken. Der GoldenPass Panoramic hat, wie der Name schon sagt, Panoramafenster. Und der GoldenPass Belle Epoque lässt alte Zeiten wieder aufleben. Panoramic und Belle Epoque fahren ab/bis Zweisimmen.

Züge fahren stündlich, aber immer im Wechsel. Welcher Zugtyp wann fährt, erfährst Du z. B. in der SBB-App.

Die schönsten Waggons fahren im Zug Belle Epoque. Dieser verkehrt 2x täglich in jede Richtung. Die restaurierten Wagen aus den Fotos oben sind die 1. Klasse. Als 2. Klasse fahren zwei ganz normale, moderne Waggons mit. Reservierungen (10 CHF) sind für diesen Zug nicht vorgeschrieben, aber in vielen Fällen sinnvoll. Für die 1. Klasse, würde ich mal behaupten, brauchst Du sie fast immer. Mein Wagen (an einem Samstag im Februar) war voll. Ich habe frühzeitig gebucht und nur noch mit Glück einen Fensterplatz bekommen.

Wenn Du nur Fotos machen möchtest, reicht es auch, wenn Du einfach früh am Bahnhof bist. Unser Zug wurde etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt bereitgestellt. Solange noch niemand da ist, kannst Du fotografieren und Dich dann in die 2. Klasse zurückziehen. Ich frage mich sowieso, ob die Mehrzahl der Influencer*innen nicht genau macht … 🤔

Tickets

Ich habe mein Käsezug-Ticket online auf der MOB-Website gebucht und war dann gleich mal verwirrt. Auf dem PDF, das mir zuging, stand, dies sei nur die Platzreservierung, ich bräuchte auch noch ein Ticket. Ein solches war aber nirgendwo zu finden. Auf Nachfrage im Kundencenter wurde mir das gleiche PDF erneut zugeschickt.

Vor der Abfahrt habe ich vorsichtshalber am Bahnhof Montreux nachgefragt. Dort wurde mir versichert, das sei alles, was ich bräuchte: „Ah, der Käsezug!“ Beim Käsezug reicht die 2. Seite des PDFs bei der Fahrkartenkontrolle, im Restaurant und im Museum.

Wenn Du hingegen nur die Zugfahrt buchst, achte darauf, dass Du nicht nur eine Reservierung, sondern auch ein separates Ticket hast! Kannst Du Dir z. B. in der SBB-App kaufen.

Wenn ich es richtig verstehe, kannst Du in diesem Zug auch die Spartageskarte nutzen.

Reservierung

Eine Reservierung ist auf dieser Strecke nicht obligatorisch. Wenn Du aus der Fahrt eine Tagestour machst und mehrfach unterbrichst, ist sie vielleicht auch gar nicht sinnvoll.

Für die 1. Klasse der Belle-Epoque-Züge brauchst Du vermutlich immer eine Reservierung (10 CHF) oder sehr großes Glück. Ich habe meinen Platz für Februar nur wenige Tage, nachdem das Buchungsfenster geöffnet wurde, reserviert. Da waren schon große Teile des Zugs reserviert.

Die 1. Klasse im Panoramazug war deutlich leerer. Für meine Weiterfahrt ab Château-d’Oex hatte ich nicht reserviert.

Kurzinfo Käsezug

Auf der MOB-Website lässt sich das Package „Käsezug“ buchen. Dies beinhaltet eine Zugfahrt (entweder von Montreux oder Zweisimmen nach Château-d’Oex und zurück oder weiter zum anderen Ort; es gibt für dieses Arrangement drei mögliche Abfahrtszeiten), eine Platzreservierung bis Château-d’Oex, freie Wahl der Rück- bzw. Weiterfahrt, Käsevorführung und Käsefondue im Restaurant Le Chalet (Tisch wird automatisch reservieriert), Museumseintritt, Besuch der MOB-Modelleisenbahn, Souvenir und 50 % Rabatt auf Heißluftballonflüge. Preis in der 1. Klasse 99 Franken pro Person inklusive Reservierung.

Lohnt sich das?

Also, jein. Wenn Du das ganze Angebot ausschöpfst, ist es günstiger. Die einfache Zugfahrt kostet in der 1. Klasse 58 Franken plus 10 Franken Reservierung, das Käsefondue 30 Franken, der Museumseintritt 15 Franken. Es ist also etwas günstiger, als wenn Du alles einzeln buchst.

Aber wenn Du nicht ins Museum gehst oder etwas anderes essen möchtest, bist Du besser dran, Zug und Restaurant selbst zu buchen. Die Käseproduktion kannst Du kostenlos ansehen, auch wenn Du nicht im Restaurant Le Chalet isst (es gibt allerdings lange Pausen, wenn die Masse ruht). Auch die Modelleisenbahn kannst Du im Obergeschoss des Restaurants kostenfrei ansehen. Das Souvenir war ein nicht sonderlich großes, eingeschweißtes Stück des hauseigenen Käses.

Direkt am Bahnhof gibt es noch ein weiteres Lokal mit vielen Röstivariationen auf der Karte. Direkt neben dem Restaurant Le Chalet ist der Coop-Supermarkt, der auch sonntags geöffnet hat.

Das Musée du Pays d’Enhaut lohnt sich aus meiner Sicht auf jeden Fall, allerdings hast Du dort mehr Spass, wenn Du zumindest ein bisschen Französisch lesen kannst. Beachte die knappen Öffnungszeiten!

Übernachtung in Montreux

In Montreux habe ich im Hotel Parc et Lac übernachtet. Dieses liegt nur wenige (steile) Gehminuten vom Bahnhof entfernt an der Uferstraße. Das war das günstigste Hotel meiner Reise und das, in dem ich am besten geschlafen habe.

Die Bewertungen sind eher mittelmäßig. Ja, ich habe auch schon in schöneren Hotels übernachtet. Aber das Personal war echt nett, das Bett war richtig bequem, es war sauber, und ich habe ohne Aufpreis ein Zimmer mit Seeblick bekommen. Die mit Blick nach hinten raus sind wohl wenig charmant, dafür günstiger.

Das Frühstück kostet 11 CHF; dafür bekommst Du ein fertig zusammengestelltes Tablett. Alternativ kannst Du Dich auch aus dem Supermarkt oder eine Bäckerei (wie z. B. Boulangerie Bread Store, nur wenige Gehminuten entfernt) verpflegen. Und bei schönem Wetter am Seeufer frühstücken!

Direkt neben dem Parc et Lac liegt das Hotel Rouvenaz, das auch noch bezahlbar ist und ein eigenes Restaurant hat.

Übernachtung in Spiez

In Spiez war ich im La Belle Vue Boutique Hotel. Das hat ein schönes Café, ein sehr feines Frühstück und eine Dachterrasse mit Blick auf den See. Die Zimmer waren eher karg („skandinavisch“, also IKEA-Ästhetik), eine der beiden Matratzen im Doppelbett war schon stark durchgelegen. Badfliesen aus den 80ern würde ich jetzt auch nicht in einem Boutique Hotel erwarten. Mit dem Zimmer war ich also nicht ganz so zufrieden.

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