Polen III: Praktische Tipps für Danzig (Gdansk)

Häuserfassaden und Neptunfigur am Marktplatz von Gdansk.

Das ehemalige Danzig, heute Gdansk, kannte ich lange Zeit bestenfalls aufgrund der Arbeiterproteste der 80er Jahre. Die Stadt ist aber wesentlich mehr als eine Industriestadt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend zerstört (je nach Stadtteil 90-99 %), wurde die äußerst geschichtsträchtige Stadt über Jahrzehnte hinweg sorgfältig wieder aufgebaut. Heute bezaubert sie nicht zuletzt durch ihre Architektur und die Lage am Wasser. Sollte es Dir in Danzig zu langweilig werden, gibt es Ausflugsmöglichkeiten zur größten Burg der Welt sowie nach Gdynia und Sopot.

Drei bis fünf Tage kann man hier locker verbringen, mit Ausflügen in die Umgebung auch mehr.

Was gibt es zu entdecken und zu tun? In diesem Mini-Guide ⬇️ findest Du praktische Informationen und Tipps zu Danzig. Außerdem habe ich entsprechende Infos zu Posen für Dich ebenso zusammengestellt wie einen kompletten Reisebericht über Danzig & Posen mit dem Zug.

Danzigs Rechtstadt

Fun fact: Was wir als „Altstadt“ bezeichnen, also der Bereich innerhalb der alten Stadtmauern, nennt man in Gdansk „main town“, „Rechtstadt“. Die „Altstadt“ ist hingegen das Viertel zwischen Rechtstadt und Werft. Hier standen vornehmlich Wohnsiedlungen der Werftarbeiter, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee wohl zu 99 % zerstört wurden. Hier wurde leider nicht so hübsch wie in der Rechtstadt wieder aufgebaut.

Einen guten ersten Überblick verschaffst Du Dir mit einem geführten Stadtrundgang, z. B. von Walkative. Diese Führungen finden auf Trinkgeldbasis statt – angemessen sind nach Angaben einer Führerin aktuell ca. 50-60 zloty pro Person. Die Guides nehmen auch Euro, Dollar etc.; viele bieten sogar Kartenzahlung an.

Ansonsten lass Dich einfach treiben. Die waterfront ist natürlich spannend, aber auch in den kleinen Gässchen gibt es immer etwas zu entdecken.

Eines der Wahrzeichen Danzigs ist das Krantor, mit dessen Kran sich seit dem 15. Jahrhundert Gewichte von mehreren Tonnen heben ließen – allein durch Muskelkraft. Wenn Du durch das Tor hindurch gehst, siehst Du die „Hamsterräder“, in denen gearbeitet wurde.

Das Danziger Krantor mit Häuserfassaden.
Das Krantor ist heute ein Museum und kann besichtigt werden.

Das Hohe Tor (Brama Wyżynna) war mal der königliche Eingang in die Stadt. Direkt dahinter befindet sich der Stockturm, wo seinerzeit der Folterknecht residierte. Die Handschellen hängen noch.

„Touri Central“ befindet sich auf der Straße Długa zwischen dem Langgasser Tor (bei meinem Besuch leider Teil einer Baustelle) und dem Grünen Tor. Hier findet sich auch der Große Markt mit dem Neptunbrunnen, Rathaus und dem Artushof.

Blick durch die Fußgängerzone auf das Danziger Rathaus; im Vordergrund ein Verkaufsstand mit kleinen Bildern.
Das Danziger Rathaus.
Den Neptunbrunnen vor dem Artushof fotografiert quasi jede/r …
… die kleine Hermes-Statue direkt dahinter scheint kaum jemand zu bemerken.

Direkt nördlich davon findest Du die riesige Marienkirche. Sie ist recht karg dekoriert, aber Du kannst 408 Stufen zu einer Aussichtsplattform im Turm hinaufsteigen.

Blick auf die Danziger Marienkirche durch eine Gasse.

In der Straße Mariacka gibt es viiiiele Geschäfte mit Bernsteinschmuck, aber auch viele nette Cafés. Hier haben die Häuser die Terrassen und Wasserspeicher, die wohl früher für die ganze Rechtstadt typisch waren.

Das Große Zeughaus wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein Waffenlager. Schau mal, ob Du den richtig gut gelaunten Löwen an der Fassade entdeckst.

Die Markthalle (Hala Targowa Kupców Dominikańskich) sieht ehrlich gesagt von außen vielversprechender aus, als sie innen ist …

… allerdings kann man draußen ganz nett sitzen.

Die Brigittenkirche (Ticket 6 zl) verfügt über einen Bernsteinaltar und eine Krypta mit Totenschädeln.

Der Bernsteinaltar in der Brigittenkirche.
Der Altar ist noch im Bau; Spenden sind sehr willkommen.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Danzig

Die Speicherinsel

Direkt östlich von der Rechtstadt liegt die Speicherinsel. Bis zum Zweiten Weltkrieg war sie voller – wer hätte das gedacht – Getreidespeicher. Darunter befanden sich zwei Königliche Getreidespeicher, die man daran erkennt, dass sie mit der Längsseite zum Wasser stehen. Alle anderen Speicher stehen mit der kurzen Seite zum Wasser.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagen fast alle Speicher in Schutt und Asche. Und das war wohl bis 2015 (!) der Fall. Erst dann begann der Wiederaufbau. Zum Glück mit der Auflage, im Stil der alten Speicher zu bauen und die Ruinen in die neuen Gebäude zu integrieren. Heute findest Du hier jede Menge Restaurants, Hotels und Wohnanlagen.

Blick auf die Speicherinsel in Gdansk: Im Vordergrund eine Ruine, die in ein Luxushotel umgebaut wird; im Hintergrund bereits abgeschlossene Neubauten.
Wie Phoenix aus der Asche: Aus den Speicherruinen im Vordergrund wird demnächst ein Luxushotel.

Wenn Du auf der Speicherinsel nach Süden gehst, kommst Du zu den alten, sternförmig angelegten Befestigungsanlagen. Wenn Du eine Rundfahrt mit Galar Gdansk machst, sparst Du Dir die Lauferei.

Ostsee-Philharmonie

Die Philharmonie liegt auf einer weiteren Insel nördlich der Speicherinsel. Sie ist in einem ehemaligen Elektrizitätswerk untergebracht, deshalb ist die Akustik nicht so toll. Dafür sind die Karten nicht so teuer. 😉 Ein netter kleiner Konzertsaal – der Dirigent verausgabte sich, das Publikum war begeistert.

Aufgebaute Notenständer und Stühle in der Ostsee-Philharmonie in Gdansk, im Hintergrund der Zuschauerraum.
An diesem Abend gab es Gershwin und Dvorak.

Vor dem Gebäude steht der große GDANSK-Schriftzug, in der Nähe kannst Du mit einem Riesenrad fahren.

Nächtlicher Blick auf die Ostsee-Philharmonie, den GDANSK-Schriftzug und das Riesenrad.

Werftgelände

Das Gelände der Danziger Werft befindet sich etwa 15 Gehminuten nördlich der Rechtstadt. Es ist bei weitem nicht mehr so groß wie vor einigen Jahrzehnten und wird auch für nicht-industrielle Zwecke genutzt. Hier gehen zum Beispiel die Bootstouren von Galar Gdansk los, hier befindet sich das Europäische Zentrum der Solidarität oder in einer ehemaligen Kantine die Montownia Food Hall.

Fünf Kräne in der Danziger Werft.
Die Kräne der Werft.

Die Werft ist natürlich untrennbar mit der Gewerkschaft Solidarność verbunden und der hier entstandenen Demokratisierungsbewegung. Deshalb erwartet Dich noch vor dem Tor ein Denkmal für die 42 Werftarbeiter, die während des Aufstands im Dezember 1970 ums Leben kamen.

Denkmal für die Toten des Streiks von 1970 vor dem Haupttor der Danziger Werft.

Museen in Danzig

Am Eingang zur Danziger Werft, direkt hinter dem berühmten und geschichtsträchtigen Haupttor, liegt das Europäische Zentrum der Solidarität. Hier dreht sich natürlich alles um die Ursprünge der Gewerkschaft Solidarność und deren Auswirkungen auf den politischen Wandel in Zentral- und Osteuropa. Lech Walesa hat hier noch ein Büro und ist wohl auch öfter vor Ort. Das Ticket kostet 35 zl inkl. Audioguide. Ohne Ticket kannst Du mit dem Aufzug in den 6. Stock fahren und dort den Ausblick auf die Werft genießen.

Das Eingangstor zur Danziger Werft, dahinter das Gebäude des Europäischen Zentrums für Solidarität.
Das Europäische Zentrum der Solidarität liegt direkt am Haupttor zur Werft.

Das Museum über den Zweiten Weltkrieg ist natürlich keine leichte Kost, aber sehr gut gemacht. Es ist riesig! Ich war drei Stunden lang dort (bis wir 15 Minuten vor Schließung rausgeworfen wurden) und habe gerade mal die Hälfte geschafft. Die Eintrittskarte kostet 29 zl. Der Audioguide kostet 12 zl, ich hatte aber nicht den Eindruck, dass er deutlichen Mehrwert bringt.

Das Gebäude des Museums über den 2. Weltkrieg, davor ein Kanal.
Das Museum über den Zweiten Weltkrieg fällt schon von weitem auf.

Wenn wir schon beim Zweiten Weltkrieg sind: Dieser begann ja mit dem Überfall auf Polen in und bei der damals Freien Stadt Danzig. Am 1. September 1939 wurde die polnische Garnison auf der Westerplatte angegriffen. Gleichzeitig wurde das polnische Postamt, das sich in der Altstadt befindet, überfallen. Auch hier ist heute ein Museum.

Danzig hatte seinen Reichtum nicht zuletzt dem Bernstein zu verdanken. Da liegt es nahe, ein eigenes Bernsteinmuseum einzurichten. Dieses ist in der (wieder aufgebauten) Alten Mühle untergebracht. Das Ticket kostet aktuell 35 zl. Beim Vorzeigen des Walkative-Stadtplans gibt es einen Rabatt.

Schachspiel aus Bernstein gefertigt.

Danzig vom Wasser aus erleben

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Danzig vom Wasser aus zu erleben:

Boote von Galar Gdansk an der Anlegestelle.
Mit dem Holzboot durch kleine Kanäle.

Tagesausflüge von Danzig aus

Gdynia & Sopot

Nördlich von Danzig liegen die Städte Gdynia und Sopot. Gemeinsam bilden sie den Ballungsraum Dreistadt.

In Gdynia gibt es z. B. ein Museum über die Emigrationsgeschichte. Sopot ist bekannt für seine Strände und seine lange hölzerne Seebrücke.

Ich habe es leider nicht geschafft, aber Earthtrekkers haben Informationen zu einem Tagesausflug nach Gdynia und Sopot.

Marienburg (Malbork)

Hier wartet die Marienburg aus dem 13. Jahrhundert auf Besucher. Errichtet vom Deutschen Orden, ist sie der größte Backsteinbau Europas und die größte Burganlage der Welt. Es gibt zwei verschiedene Rundgänge sowie Audio Guides. Die Historical Castle Route, die Dich durch die gesamte Burg führt, dauert 3,5 Stunden.

Von Gdansk aus fahren regelmäßig Züge nach Malbork; Fahrtzeit ab ca. 30 Minuten. Vom Bahnhof aus erreichst Du die Burg in ca. 20 Minuten Fußweg.

Unterkunft

Gerade die Rechtstadt und die Speicherinsel sind voller Hotels und Ferienwohnungen. Die Preise sind mitunter gesalzen.

Wenn Du lärmempfindlich bist, bietet es sich an, eine Unterkunft außerhalb der Rechtstadt zu wählen, damit Du nicht vom stündlichen Glockenläuten der Marienkirche (oder von betrunkenen Touris) geweckt wirst.

Ich persönlich mag es gerne ruhig. In meiner Ferienwohnung in der Altstadt, 700 Meter von der Kirche entfernt, habe ich nichts von den Glocken gehört. Trotzdem war ich in nur wenigen Minuten am Fischmarkt.

Essen

Die Lokalvielfalt in Gdansk ist groß. Vom internationalen Fast-Food-Riesen bis zum Gourmetrestaurant ist alles vertreten. Grob gesagt: je näher am Neptunbrunnen, desto teurer. Wenn man den Warteschlangen glauben darf, sind aktuell Chleb i wino und Ostro die angesagtesten Lokale.

Die polnische Küche ist grundsätzlich fleischlastig. Es gibt aber quasi überall russische Piroggen, die mit Käse, Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt sind. In den Pierogarnias gibt es in der Regel auch eine vegane Variante.

Swojski Smak – sehr gute Küche und 150 Sorten polnischen Wodkas.

Montownia Food Hall – verschiedene Restaurants in einer ehemaligen Kantine auf dem Werftgelände.

Pyra Bar – Kartoffeln in verschiedenen Darreichungsformen, als Ofenkartoffel, Kartoffelpuffer, Auflauf etc.

Drei große Kartoffelpuffer auf einem Teller mit Ratatouille, dahinter ein Glas mit Limonade.

Pierogarnia Mandu – auch hier ist mit Warteschlangen zu rechnen. Auch ausgefallenere Füllungen.

Pierogarnia Stary Mlyn – wie der Name schon sagt, sind hier die Piroggen die Spezialität des Hauses, es gibt aber auch andere Gerichte.

KAISER Patisserie – wunderbare kleine Kuchen mit Blick aufs Wasser. Nicht sonderlich günstig, aber schön.

Ein weißes Törtchen auf einem Teller in der Patisserie KAISER, dahinter eine Teekanne.

Piekarnia Gdańsk – eine sehr gute Bäckerei, in der man auch frühstücken kann.

Piekarnia ormiańsko-gruzińska ISIKA – eine georgische Bäckerei mit verschiedenen Sorten Khachapuri. Hier gibt es auch die georgischen Limonaden, u. a. mit Estragon-Geschmack.

Piekarnia gruzinska Keitli Puri – noch eine georgische Bäckerei mit leckeren Backwaren, gegenüber der Markthalle.

Azima Tatarskie Przysmaki – eine tartarische Bäckerei, direkt neben Keitli, mit verschiedenen Arten Baklava.

In der Mariacka-Straße gibt es neben vielen Bernsteinläden auch diverse nette Cafés.

Anreise & Transport

Von Deutschland aus kannst Du mit Lufthansa bzw. Eurowings nach Danzig fliegen. Der Lech-Walesa-Flughafen liegt westlich der Stadt. Am günstigsten kommst Du mit dem Bus 210 in Richtung Dworzec Glowny (Haptbahnhof) in die Stadt. Du kannst auch mit der S-Bahn fahren, dann musst Du aber in Gdansk Wrzeszcz umsteigen.

Vom Hauptbahnhof Gdansk Glowny kommst Du mit dem Zug ohne Umsteigen bis nach Wien und Berlin; ansonsten gibt es zahlreiche Verbindungen innerhalb Polens, z. B. nach Posen. Online zu buchen auf der PKP Website. Der Bahnhof liegt etwa 10-15 Minuten Fußweg von der Rechtstadt entfernt.

Das Gebäude des Bahnhofs von den Gleisen aus gesehen; im Vordergrund ein Schild mit der Aufschrift "Gdansk Glowny".

Direkt vor dem Hauptbahnhof steht das Denkmal Kindertransport – Die Abreise von Frank Meisler. Es erinnert an die jüdischen Kinder, die mit diesen Transporten nach Großbritannien gebracht wurden und auf diesem Weg der Ermordung durch die Nazis entkamen.

Das Denkmal Kindertransport – Die Abreise von Frank Meisler vor dem Danziger Hauptbahnhof.

Shopping

Also, was das Einkaufen anging, war ich fast ein wenig enttäuscht. Es fehlte an Vielfalt. Natürlich kann man quasi überall Bernstein in unterschiedlichen Preisklassen und von unterschiedlicher Qualität kaufen. Ansonsten gibt es in den Hauptgassen der Rechtstadt die üblichen mehr oder minder geschmackvollen Souvenirs. Schöne Qualität und interessante Artikel gibt es zum Beispiel bei Sklep Pańska in der Nähe der Markthalle.

Außerdem werden auf der Straße Zeichnungen und Malereien verkauft.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Reisen

5 Kommentare

  1. Liebe Julia, wie schön, mit deinem Beitrag noch einmal an die eigene Reise nach Gdansk erinnert zu werden. Ich finde die kurzen Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten sehr hilfreich und auch die Tipps zu Anreise, Unterkunft und Essen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich bei Weitem nicht alles gesehen habe. Insofern fühle ich mich durch deinen Beitrag gerade sehr versucht noch einmal einen Kurztrip zu starten. Danke für die Anregung. Herzliche Grüße Sylvia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert