Nepal III: Nashörner im Chitwan Nationalpark

Als ich das erste Mal hörte, dass es in Nepal Nashörner und subtropisches Klima gebe, glaubte ich an einen Scherz. Nepal, das lag doch im Himalaya? Ja, aber Nepal hat enorme Höhenunterschiede. Kathmandu liegt auf 1400 Metern, Pokhara auf 822 Metern, Chitwan auf nur etwa 190 Metern.

Und in dem gleichnamigen Nationalpark kann man einiges an Tieren zu Gesicht bekommen. Zum einen beheimatet Chitwan fast die gesamte nepalesischen Panzernashornpopulation. Außerdem gibt es verschiedene Krokodilarten, Bären und sogar Tiger. Bei letzteren muss man schon sehr viel Glück haben, um einen zu sehen. Aber es heißt bei Safaris ja immer: Du siehst das Tier nicht, das Tier sieht aber Dich.

Wir waren also sehr gespannt, was uns erwartete.

On the Road Again

Natürlich begann auch dieses Abenteuer mit einer langen Autofahrt. Kudos an unseren supertollen Fahrer Dil, der auch nach acht Stunden am Steuer noch tiefenentspannt wirkte.

Von Pokhara aus lagen etwa 150 Kilometer Distanz sowie viele Höhenmeter Abstieg vor uns, bis wir in Chitwan ankamen. Hier sieht man die Berge zwar noch am Horizont, das Klima ist aber ganz anders. Plötzlich waren wir wieder bei über 25 Grad Tagestemperatur und sehr milden Nächten.

Irgendwo zwischen Mugling und Chitwan.

Von Pokhara aus fuhren wir zunächst auf der bekannten, ziemlich guten Straße in Richtung Kathmandu. In Mugling bogen wir nach Süden ab. Auch diese Straße, die nach Bharatpur führt, ist ziemlich gut. Aber zunächst kamen wir mal wieder an einer Hängebrücke vorbei. Davon hatten wir schon viele gesehen. Diesmal durften wir sie überqueren. Die Familie, die den Kiosk am Straßenrand betrieb, hielt uns offensichtlich für bekloppt, dass wir angesichts einer Brücke so aufgeregt waren. 😂

Hotel, Dorf, Obst

Unser Hotel lag direkt (also, mit 50 Metern Ufer dazwischen) am Fluss. Bester Blick, solange es hell war. Es war offensichtlich komplett auf ausländische Tourgruppen ausgerichtet, die zwei Nächte lang bleiben und alle das gleiche Programm bekommen: Bei uns war es am ersten Tag ein etwas seltsam zusammengestückelt wirkendes Mittagessen (das Personal schien ziemlich schockiert, dass so viele von uns vegetarisch essen wollten), gefolgt von einer Elefantenvorführung und einem Rundgang durch ein Dorf. Das war beides grundsätzlich sehr interessant, hat aber auch was von Zirkus. 🙈

Diese drei Elefanten gehören offenbar alle dem Eigentümer unseres Hotels … Und so ein Elefant ist ganz schön wertvoll. Das Geschäft scheint gut zu laufen.

Im Dorf sahen wir einige Ziegen, Enten und Erntespuren.

Später erschreckten und erfreuten wir einen mobilen Obstverkäufer, dem wir gefühlt die Hälfte seiner Ware abkauften.

Unser Hotel war eindeutig auf Tourigruppen ausgelegt: 2 Übernachtungen, Vollpension, gleiches Programm für alle. Davon kann man halten, was man will (🙄). Den Sundowner am ersten Abend hatten sie jedenfalls perfektioniert. Am Fluss waren Stühle aufgebaut, die Pakoras brutzelten im Fett, die Sonne versank filmreif.

Gorillas, äh, Krokodile im Nebel

Am nächsten Morgen fand ich den Nebel vor, den ich in Agra befürchtet hatte. Hier war er richtig cool. Wir saßen schon früh im Einbaum für eine Fahrt auf dem Fluss. Es fühlte sich an, als würden wir den Styx überqueren.

Unterwegs sahen wir tatsächlich unser erstes Nashorn, schlafend am Ufer. Ihm sollten noch einige folgen. In Chitwan leben etwa 600 Panzernashörner. Wie groß diese Tiere sind, wird einem auch erst klar, wenn man ihnen bis auf wenige Meter nahekommt.

Wenig später schwamm uns unser erstes Gangeskrokodil über den Weg.

Wenigstens machte der Tiger seinem Ruf der sehr geringen Sichtungswahrscheinlichkeit alle Ehre. 😂

Wir bekamen trotzdem eine Einweisung, wie wir uns zu verhalten hätten, wenn wir Nashorn, Tiger oder Lippenbär antreffen sollten. Beim Nashorn hilft Zickzackrennen, beim Tiger hingegen ist Rennen ein sicheres Todesurteil.

Zum Glück mussten wir unser neues Wissen nicht in der Praxis anwenden.

Stattdessen gab es Krokodile. Wir besuchten zunächst eine Zuchtstation für Gangesgaviale …

Die hier fressen nur Fische …

… und unternahmen danach einen Spaziergang am Fluss.

… die hier fressen auch Menschen. Am (gegenüberliegenden) Ufer lagen gleich mehrere herum.

Auf dem letzten Stück durch den Wald zurück zum Fluss wirkten unsere Guides tatsächlich auch etwas unentspannt. Aber was auch immer uns gesehen haben mag, wir sahen es nicht.

Tiger, wo bist du?

Am Nachmittag unternahmen wir eine Pirschfahrt in die Randzone des Parks. Hier hatten wir unsere einzige „Tiger“-Sichtung.

Randzone, das heißt, wir waren gar nicht „richtig“ im Park. Und trotzdem wimmelte es nur so von Nashörnern. Ich war fassungslos – in Tansania und überhaupt in Afrika war ich überglücklich, am Horizont auch nur ein einziges Nashorn zu sehen. Hier in Nepal sahen wir innerhalb kürzester Zeit gleich zehn.

Als erstes erblickten wir eine Mutter mit Baby. Die liefen auch noch nur wenige Meter hinter dem Auto her.

Dieses deutlich jüngere Tier graste nur wenige Meter vom Fahrweg entfernt.

Und hier noch eines im Wasser.

Andere Tiere gibt es übrigens auch noch, insbesondere Vögel.

Zwischendurch machten wir eine Teepause am Fluss.

Und überhaupt waren da wahrscheinlich noch viel, viel mehr Tiere, wir haben sie nur nicht gesehen. Die Landschaft ist übrigens auch echt schön.

Einziges „Problem“: Der Parkeingang war etwa eine Dreiviertelstunde Fahrt von unserem Hotel entfernt. Die umliegenden Ortschaften lernten wir also auch noch kennen. Und auf der Rückfahrt zum Hotel gab es einen tollen letzten Sonnenuntergang.

Am folgenden Morgen brachen wir wieder in Richtung Kathmandu auf. Die Reise ging zu Ende.

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